Kunstwerke in Aukrug

Aus Aukrug Geschichte Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Nis-Puk auf der Boxberger Steinbank

Verschiedene relevante Künstler haben Kunstwerke in Aukrug im öffentlichen Raum gestaltet. Einige entstanden im Rahmen von Kunst am Bau, bei anderen ist die Initiative für die Errichtung noch nicht bekannt. Dieser Artikel stellt die Kunstwerke und ihrer Erschaffer in einer Kurzübersicht chronologisch vor.

Reliefs an der Fassade des Rehazentrums

Ostseite des Hauptgebäudes
Westliche Giebelseite

Zehn Keramikplastiken von Alwin Blaue aus dem Jahr 1930. Das damalige Sanatorium Tönsheide wurde 1931 eingeweiht. Die Motive sind Pflanzen und Tiere und stehen im Kontext mit der Nutzung des Gebäudes als Tuberkoloseklinik. Der Aufenthalt in frischer Luft, in der Natur, war wesentlicher Bestandteil der Therapie von Tuberkulosepatienten[1]. Die Kunstwerke sollen nach dem Abriss der historischen Gebäude am Neubau der Fachklinik wieder in die Fassade eingebunden werden.

Alwin Blaue (1896-1958) ist in erster Linie bekannt geworden als Bildhauer für Bauplastiken an öffentlichen und privaten Gebäuden sowie für Skulpturen im freien Raum, besonders in Kiel. Sein Handwerk lernte er von 1919 bis 1924 an der Hamburger Kunstgewerbeschule bei Johann Michael Bossard und Richard Luksch. Von 1928 bis 1930 war er für die Kieler Kunst-Keramik A.G. tätig, wo er ausschließlich Bauplastiken entwarf. Von 1929 bis Ende 1930 leitete er dort die baukeramische Abteilung.

Zusammen mit Fritz Theilmann war er für den Bauschmuck der Gebäude des Kieler Marineviertels verantwortlich. Bauplastische Arbeiten von Alwin Blaue sind in Kiel neben den Ornamenten und figürlichen Reliefs im Marineviertel auch am Krankenhaus in der Metzstraße zu finden.

Plastiken am Heidhof in Tönsheide

Alwin blaue - bienenkorb.jpg

Zwei Plastiken an der Fassade des Tuberkulose-Nachfürsorgeheims Heidhof, die einen Schäfer mit Lamm und einen Gärtner mit Arbeitsgerät sowie einen Bienenkorb mittig über der ehemaligen Eingangstür zeigen. Sie wurden 1935 von Alwin Blaue modelliert und symbolisieren die drei Berufsfelder, in denen die an Tuberkuloseerkrankten während ihrer Genesungsphase im Heidhof ausgebildet wurden: Die Schäferei, die Imkerei und die Landwirtschaft.

Skulptur an der Aukrugschule

Spielende Kinder Skulptur.jpg

Künstler und Ursprung sind noch nicht ermittelt. Wahrscheinlich wurde es 1965 beim Bau des zweiten Bauabschnittes der Schule errichtet. Am 29. Oktober 1965 erfolgte die Einweihung des Gebäudes mit Physikraum, Lehrküche und Biologieraum für die Dörfergemeinschaftsschule. Das Kunstwerk zeigt vier spielende Kinder und ist vermutlich aus Muschelkalk. An dieser Stelle sei eine Spekulation erlaubt: In der Ausführung erinnert das Aukruger Kunstwerk an die in Neumünster aufgestellen Skulpturen "Die Familie" (im Steinkamp; aus dem Jahr 1963[2]) und "Rübezahl" (an der Böckler-Schule; aus dem Jahr 1964[3]) des Bildhauers Georg Fuhg. Fuhg ließ sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Schleswig-Holstein nieder, zunächst in Tellingstedt, ab 1950 in Neumünster. In dieser Zeit fertigte er zahlreiche Denkmäler, Brunnen und Porträtbüsten über die nach bisherigen Recherchen leider kein Werkverzeichnis vorliegt.

Großer Vogelschwarm in Tannenfelde

"Großer Vogelschwarm" von Pierre Schumann vor dem Bildungszentrum Tannenfelde

Die Skulptur Großer Vogelschwarm ist aus Carrara-Marmor und wurde 1978 von Pierre Schumann erschaffen. Die Stiftung des Arbeitgeberverbandes für die chemische Industrie und Kunststoffverarbeitung Schleswig-Holstein e.V. stiftete sie 1980 dem Tannenfelder Bildungs- und Tagungszentrum, das die Plastik an der Treppe zwischen Parkplatz und Hauptseingang platzierte. "Das wilde Spiel durcheinander fliegender Möwen hat Bildhauer Pierre Schumann immer wieder zu neuen Skulpturen inspiriert. Dabei wählte er als Material besonders gern den edlen weißen Carrara-Marmor, der mit seinem Farbspiel sogar Ähnlichkeit zum weiß-grauen Federkleid der Vögel aufweist. Für das menschliche Auge ist es schwer, in den schnellen Bewegungen der Vögel die exakten Umrisse zu erkennen. Genau dies nahm sich der Künstler zum Vorbild und formte in seinen Skulpturen keine Abbilder einzelner Vögel, sondern stattdessen flirrende Eindrücke, in denen die Konturen und Formen verwischen. Auch im Großen Vogelschwarm, den er für das Bildungszentrum Aukrug-Tannenfelde schuf, zerfließen die Formen, so dass sich nicht einmal die genaue Anzahl der Tiere mit Bestimmtheit ermitteln lässt. Die abstrakte Darstellung hebt die besonderen Merkmale der Gruppe und der Bewegung hervor und vernachlässigt das figürliche Abbild."[4]

Pierre Schumann wurde 1917 als Hans-Adolf Peter Schumann in Heide/Dithmarschen geboren. Er lernte den Beruf des Steinmetzes und studierte ab 1947 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Edwin Scharff und ab 1950 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Otto Baum. Seine Arbeiten finden sich in Sammlungen in Europa und den USA. Er war ein Bildhauer der Moderne. Sein bevorzugtes Arbeitsmaterial war Marmor, wobei viele Arbeiten auch in Bronze umgesetzt wurden. Sein wesentliches Schaffensprinzip waren die Reduktion und das Gleichgewicht zwischen Masse und Leere sowie das Wechselspiel zwischen der Energie des Materials und der gestalterischen Kraft des Bildhauers. 2007 erhielt er den Norddeutschen Kulturpreis. Pierre Schumann starb am 2011 in Eutin.

Vogelkomposition im Park der Fachklinik

Das Kunstwerk 2022
Das Kunstwerk 1995

In nicht einmal 900 Meter Luftline Entfernung befindet sich eine weitere Vogel-Skulptur aus weißem Marmor von Pierre Schumann hinter dem Altbau der Fachklinik Aukrug, die eine stilisierte Gruppe von fünf wild durcheinander fliegenden Möwen zeigt. Die Vögel sind auf ihre Silhouetten reduziert, die einander teilweise überlagern und so eine freie und eigenständige Form bilden. Die Arbeit ist eine von zahlreichen Variation des vom Künstler gerne dargestellten Motivs der fliegenden Vögel, das sich z.B. auch vor dem Gymnasium am Mühlenberg in Bad Schwartau oder am Neustädter Kunstkilometer (Neustadt in Holstein) wiederfinden läßt.

Es gehört schon ein genaues Naturstudium dazu, um diesen schwer zu beobachtenden Moment künstlerisch festzuhalten und war eine Spezialität des Schumanns, der 2007 darüber nachsann: „Ich kann gar nicht sagen, wie ich auf diese Form gekommen bin“. Doch so fern liegt die Antwort für den an der Westküste aufgewachsenen Künstler nicht: „Ich bin mit meinen Eltern sehr oft nach Büsum gefahren, da hat es Möwen in rauen Mengen gegeben“, erinnerte er sich. Neben weiblichen Figuren zählt die Darstellung von Vögeln zu seinen Hauptmotiven. Oft ist es das Motiv mehrerer neben- oder übereinander fliegender Möwen, ausgeführt vor allem in Marmor, gelegentlich in Bronze.[5]

Die Skulptur entstand sehr wahrscheinlich als "Kunst am Bau" während der Umgestaltung des Tuberkulosekrankenhauses zur Kurklinik Aukrug in den Jahren 1973 bis 1975. Neben umfangreichen Umbauten im Bestand entstanden damals das Bewegungsbad, die Gymnastikhalle, die Kegelbahn und in der Parkanlage der Minigolfplatz sowie der Trimm-dich-Pfad[6].

Sonnenuhr vor der Aukrugschule

Sonnenuhr

Die Sonnenuhr vor der Aukrugschule ist eine Kunstschmiedearbeit von Alfred Schmidt (1914-2009). Überall in Schleswig-Holstein finden sich Schmidts unverwechselbare Formen. Der Dukatenesel in Trappenkamp, Brunnenfiguren in Bad Bramstedt und Kaltenkirchen, Wappen in Norderstedt, Geländer auf Gut Schierensee - aber auch Treppengeländer in der Deutschen Staatsoper Berlin oder vor dem Plöner Schloss, dazu Objekte in Dresden, Aachen und vielen anderen Orten.

Alfred Schmidt wurde 1914 in Dresden geboren. Dort erlernte er die Schmiedekunst in der schon von seinem Großvater betriebenen Werkstatt. 1955 floh er aus der DDR und zog 1956 nach Trappenkamp bei Bad Segeberg, wo er unter schwierigen Bedingungen neu begann. Zeit seines Lebens schuf er ca. 3.000 Entwürfe für Brunnen, Stelen, Tore, Geländer, Leuchten und Schriften. Darunter waren auch ca. 450 Arbeiten zu Kunst am Bau. Bis 2005 betrieb er seine Werkstatt in Trappenkamp und verstarb dort 2009.

Metallbild an der Bürgermeister Jensen-Halle

Das nicht mehr vorhandene Metallbild von Erika Ammann

Ein mehrere Meter großes Metallbild mit fünf stilisierten Sportarten schmückte rund 20 Jahre den Eingang der Bürgermeister-Jensen-Halle. Es entstand 1983 beim Bau der "neuen" Sporthalle als "Kunst am Bau". Eine Jury unter dem Vorsitz von Schulleiter Reinhold Ohm, die sich aus dem Architekten und Vertretern aus Schule und Gemeinde zusammensetzte, hatte das Kunstwerk von Erika Ammann aus Neustadt in Holstein aus mehreren Vorschlägen ausgesucht. Erika Ammann stellte in ihrem Bild die Sportarten Handball, Basketball, Volleyball, Turnen und Gymnastik dar, die stellvertretend für alle Hallensportarten stehen sollen. Netz, Korb. Bälle und Barren rundeten die Komposition ab. Die Formen wurden aus sieben Millimeter starkem Eisen ausgeschnitten und zusammengeschweißt. Erika Amman erhielt 15.000 DM als Honorar für ihre Arbeit.

In einem im Oktober 2022 geführten Telefonat von Holger Hauschildt mit der immer noch in Neustadt in Holstein lebenden Künstlerin berichtete sie, dass ihr Kunstwerk damals von der Schmiede in Kassau bei Neustadt hergestellt wurde. Sie sei zur Einweihung der Sporthalle in Aukrug gewesen. Es wurde in der Ansprache des Architekten Wilcke lobend erwähnt.

Das Kunstwerk kann leider nicht mehr betrachtet werden. Es wurde Anfang der 2000er-Jahre in Abstimmung des damaligen Schulleiters Simon und des Bauhofleiters abgebaut, weil es vermehrt als "Leiter" zum Flachdach des Umkleidetrakts benutzt wurde, um über den darüber liegenden Notausgang in die Sporthalle einzubrechen. Das Kunstwerk wurde mehrere Jahre im Bauhof gelagert, bevor eine Verschrottung erfolgte.

Gerda Muh

"Gerda Muh", Foto: Svenja Halft

Die Konstruktion einer Holzkuh namens Gerda Muh war der Mittelpunkt einer Kunstaktion im Sommer des Jahres 2018. Mehrere Wochen war die Landwirtschaft, das Konsumverhalten und "Gerda Muh" Gesprächsthema in Aukrug. Mit der ungewöhnlichen Aktion wollte der anonym gebliebene Aktionskünstler zugleich der Dorfgemeinschaft Impulse geben. Wie sogar die Süddeutsche Zeitung berichtete solle "die Holzkuh zu Diskussionen über dörfliches Leben und Miteinander, Landwirtschaft, Tierhaltung, das Konsumverhalten sowie den Umgang mit der Natur anregen." Bis zum Herbst 2018 war das Kunstwerk auch in anderen Ortsteilendie Holzkuh in Gärten zu sehen und gab Anlass zum geselligen Zusammensein und Diskussion[7].

„Gerda Muh“ hatte in einem geräumigen Fach an ihrem Hinterende allerhand gebunkert, was man bei geselligen Zusammenkünften gebrauchen konnte: Knabberkram, Süßigkeiten, Selter, Cola, Sekt und Whisky sowie Becher und Gläser. Der darin liegende Begeleittext klärte die Frage „Warum ziehe ich durch die Homfelder Gärten?" Vor 100 Jahren sei vieles besser gewesen, denn da gab es in Homfeld „579 Rinder und 23 Kuhställe, meine Schwestern wurden meist über zwölf Jahre alt, im Winter wurden wir jeden Tag gestriegelt, und wenn uns kalt war, bekamen wir eine Kuhdecke, und von den 275 Einwohnern konnten etwa 200 melken.“ Heutzutage gibt es in Homfeld (inklusive Bucken) nur noch drei Milchviehbetriebe. „Heute werden wir keine sechs Jahre alt, und der Bauer gibt uns nicht mal mehr einen Namen.“ Mechanisierung, Industrialisierung und Globalisierung hätten „nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch unsere dörfliche Welt tiefgreifend verändert: Wir brauchen heute keine fünf Nachbarn mehr zum Rübenhacken oder Heufahren.“ Auf diese Weise sei „das dörfliche Leben als komplexer sozialer Kosmos verloren“ gegangen, philosophierte „Gerda Muh“ und fragte, ob es nicht längst an der Zeit sei, sich um folgende Dinge zu kümmern: „ein besseres dörfliches Miteinander, eine naturnahe Landwirtschaft ohne Bienensterben und Massentierhaltung sowie die Bewahrung dessen, was wir von unseren Eltern erhalten haben und was wir an unsere Kinder zur pflegenden Sorge weiterreichen wollen.

Mit einem Verweis auf das Geheimfach an ihrem Hinterende, in dem sich auch Hebegeschirr für einen Frontlader befand, forderte „Gerda Muh“ ihre Gastgeber auf: „Wenn meine Tage (drei bis fünf) bei Dir/Euch um sind, stellt mich bitte ‚heimlich‘ in den Garten Eures Nachbarn![8]

Nis Puk auf der Boxberger Steinbank

Nis-Puk auf der Boxberger Steinbank

Der im Jahr 2021 errichtete Nis Puk auf der Boxberger Steinbank, plattdeutsch Nis Puk op de Boxberger Steenbank, ist eine von Homfelder Bürger:innen geschaffene Skulptur auf dem Boxberg.[9]

Die Figur hält eine kleine Schüssel in der linken Hand (in Erwartung einer Anerkennung für seine hilfreichen Taten). Den rechten Zeigefinger hält sie leicht gekrümmt nach oben (Das typische Homfelder, aber meist doch mehr scherzhaft gemeinte: „Pass op!“). Auf der Rückseite der Bank steht "Tosam een lütten Ogenblick op disse Bank. Von de Homfelder un uns Nis Puk"[10]

Nis Puk, oder auch Nes Pük (im Dänischen zum Teil auch Nis Pug und Nis Puge) ist eine Figur aus dem Bereich der Volksmärchen. Der Name verbindet die Bezeichnungen Nisse und Puk. Die Sagengestalt ist vor allem im schleswigschen Raum beiderseits der deutsch-dänischen Grenze (auch Sønderjylland≈ Süderjütland) im deutsch-dänischen Grenzland bekannt.

Der Nis Puk zeigt folgende Eigenschaften:

  • Der Nis Puk soll auf Haus, Hof und Tiere acht geben, wenn die Bewohner bereit sind, die eigenen Kinder und die Haustiere gut zu behandeln und innerhalb des Hauses wie auch des Dorfes ausgleichend wirken.
  • Der Nis Puk soll auf dem Dachboden oder in einer Scheune leben. Angeblich können ihn Erwachsene nicht mehr sehen.
  • Einmal im Jahr, zu Weihnachten, muss dem Nis Puk eine Schüssel Grütze (mit Butter) gebracht werden. Geschieht das nicht, wandert der Nis Puk in ein anderes Dorf. Haus und Hof wären dann ungeschützt Habgier und Verfall ausgesetzt.[11]

Kunst an Trafostationen

Wo früher kleine hässliche graue Häusschen und verschmutzte Kästen an der Straße standen, schaut man heute auf kleine Kunstwerke und freut sich an der Verschönerung des Ortsbildes. Immer mehr Gemeinden lassen ihre Trafostationen und Verteilerkästen mit kunstvoller Bemalung durch professionell Anbieter aufhübschen. So hat sich in den letzten Jahren eine ganz neue Form der Fassadenmalerei entwickelt, in der häufig lokale Motive aufgegriffen werden.

Bei dieser neuen Form von sprichwörtlicher Straßenkunst nehmen die ausführenden Streetart-Künstler die Bauwerke und deren Umgebungen ganz genau unter die Lupe, damit sich diese nach der Bemalung harmonisch in die Umgebung einfügen. Bei Abbiegen von der B430 Richtung Innien gelingt dies beispielweiese so perfekt, dass sich fast jeder einen kurzen Moment fragt, was der Techniker von den Stadtwerken mit der gelben Jacke wohl nun schon wieder an der Station zu reparieren hat.

Einzelnachweise