Archiv:Die Kriege des 17. Jahrhunderts

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Die Kriege des 17. Jahrhunderts

a) Der Kaiserliche Krieg 1627 —1629

Die Reformation war seit 1542 in unserem Lande vollständig durchgeführt. Ihr Werk war gesichert, da Fürsten und Untertanen zur evangelischen Lehre übergetreten waren. Im Süden Deutschlands bestanden aber starke Spannungen zwischen Evangelischen und Katholiken. Diesen Spannungen entsprang der schreckliche Dreißigjährige Krieg, der von 1618 — 1648 Deutschland durchtobte.

Schon 1621, drei Jahre nach dem Ausbruch des Krieges, hatte unter Beisein des vertriebenen Böhmenkönigs Friedrich von der Pfalz und des Dänenkönigs Christian IV. eine Versammlung der norddeutschen Fürsten in Segeberg stattgefunden, um zu beraten, was gegen die Angriffe der Katholiken zu unternehmen sei. 1625 fand in Lauenburg eine weitere Versammlung statt. Christian IV., der als Herzog von Holstein ja norddeutscher Fürst war, wurde zum Kriegsobersten gewählt.

Nun ging das große Rüsten los. Die Rademacher (1) des Amtes Rendsburg mußten 15 Rüstwagen herstellen. Sie bauten „Wagenkörbe mit geduppelten Rippen" und „blaue Plessinger". Das Amt lieferte für 541 MK Pulver und Lunten. 1626 sollten 1000 Tonnen vom Amt geliefert werden, doch gelang es nur, 500 Biertonnen mit 30 Reifen aufzubringen. Da Holstein der Sammelplatz des Heeres war, gab es vielfache und langdauernde Einquartierungen, und die Unterhaltung der Reuter belastete die Einwohner des Amtes so sehr, daß 3004 MK 11 ß Steuern (2) „nicht haben erzwungen werden können". Es ist das erste Mal, daß die Amtsrechnungen Steuerrückstände verzeichneten. In Böken blieben Claus Vollstedt 9, Marqrt Hintze 32, Timm Vollstedt 20, Hans Titken wüste Hufe 42 MK schuldig, in Innien Hans Ratke 19, in Bargfeld Hans Martens 35, Marqrt Elers 12, in Homfeld der Klostermann Claus Trede 12 MK 12 ß und Olde Hans Ratke 5 MK 6 ß schuldig. Die A. R. 1626 schloß bei einer Einnahme von 22 499 Mk mit einem Fehlbetrag von 6545 Mk ab. In Lockstedt fand vor dem Abmarsch die Musterung der Truppen statt (3).

Das Eingreifen Christians IV. verunglückte vollständig. Er wurde am 15. August 1626 bei Lutter am Barenberge geschlagen. Unter den Gefallenen war auch der erst kurz vorher ernannte Rendsburger Amtmann Sievert von Pogwisch. Tillys und Wallensteins Scharen folgten der fliehenden Armee. Sofort wurde die Bewaffnung der Bürger und Bauern angeordnet (4). Sie kam aber nicht zustande. Im Juli 1627 überschritten die Feinde bei Lauenburg die Elbe. Ohne großen Widerstand zu finden, drangen sie vor. Alle festen Plätze bis auf Krempe und Glückstadt fielen ihnen rasch in die Hände. Am 9. September hatte sich Itzehoe ergehen, am 7. schon zogen die Wallensteiner über Kellinghusen nach Breitenburg (5), das am 19. September erstürmt wurde. Am 22. September standen die Feinde vor Rendsburg. Der Zug dorthin bewegte sich über Hohenwestedt und Nortorf. Am 4. Oktober mußte Rendsburg sich ergeben. Die Garnison erhielt freien Abzug mit fliegenden Fahnen und brennenden Lunten.

Besondere Nachrichten über unsere Gegend aus dieser Zeit sind nur spärlich zu finden. Die Amtsrechnungen, die sonst jährlich dicke Bündel sind, bilden für 1627-1629 nur ein einziges dünnes Bündel. Die Amtsverwaltung war geflüchtet! Von den kgl. Commisarien und Visitatoren als Gunde langen und Christian Pentzen, weil die Unterthanen wegen deßen, das Ihnen bei vorgeweßener Kriegs Turbation ihre Pferde abgenommen, ihren Acker nicht beseyen, nichts meyen, auch nichts pflichten (= steuern) können, laut beigefügten Register nachgegeben 11 Last 30 Tonnen 2 Scheffel 1 Spint Roggen (= 382 Tonnen). Einige Hufen erhielten Steuerfreiheit für 1629 und 1630 (6).

Aus dem Aukrug wunden Hans Ratken (Boie-Ratjen-Hof) für 1629 ganz, Jakob Holm und Detlef Glindemann in Innien, Hans Titke in Böken halb, Hans Martens in Bargfeld ganz, Hans Ratjen in Hornfeld für 1629 steuerfrei. Diese werden also recht gelitten haben. Über den genannten Hans Ratken in Innien erfahren wir später, daß dessen Hof abgebrannt und erst 1669 wieder mit einem Bauern besetzt wurde. Vermutlich ist die im Sommer 1957 durch eine Windhose zerstörte Bretterscheune, zu deren Bau Marten Kröger 1614 vom Amt 23 Eichen vom Möreler Felde geschenkt bekam, stehengeblieben. Die Hufe wurde verhäuert und brachte 1666/67 40 Rthlr. Pacht. Über den Wiederaufbau dieser Hufe berichtet die A. R. 1669 (7):

Weilen die wüste Hufe zu Innien auf ihr Hochgräfl. Exell. Friedrich von Ahlefeldten (Statthalter) ist an den H. Capitainleutnant Rantzau eingethan, so habe ich dahin zum Dach verschafft 2000

Schoef a 45 Mk thut 30 Rthlr
An Saatkorn dahin führen lassen 8 Tn a 36 ß 6 Rthlr
Zum Säen an die Bauern 1 Tn Roggen. Schoef aus der Marsch dahin zu fahren, den Bauern gegeben 3 Rthlr
Mit Zimmermann Jochim Kratzau die Hufe wieder aufzubauen bedungen für 50 Rthlr
An Wagenzeug, Zäumen und Siehlen und was sonsten dahin gesandt 5 Rhtlr 16 ß
Einen Knecht und Tagelöhner für das Heu und Korn diesen Sommer einzuernten 16 Rthlr
An Tagelohn bezahlt, so zu selbigem Hause gekommen 17 Rthlr 8 ß
Der Wiederaufbau kostete also 127 Rthlr 24 ß

Das Nortorfer Kirchenrechnungsbuch liefert uns einige Nachrichten aus der Zeit des kaiserlichen Krieges. Schon 1619 finden wir die ersten Anzeichen der kommenden Zeit. „Einem vordrewen prediger up des Herrn Prawesteß schrieven gegeben 8 ß". Dann wird es bedrohlicher. 1626/27 heißt es: „vor ein schlot und schlotel thor Sacristey 1 Mk,", ein Zeichen., daß der Feind sich näherte und die Unsicherheit zunahm. Die Kirchenrechnung der Kriegsjahre 1627/29 ist sehr in Unordnung. Geplündert ist jedenfalls die Kirche oder das Pastorat. Das scheint sich aus einer Notiz der Kirchenrechnung von 1631 zu ergeben: „Vor dat Karken sigel oder Pittschaff tho merken und an sülver 15 Mk." Das Kirchensiegel war also im Krieg abhanden gekommen. Das damals angefertigte Siegel stimmte nicht genau mit dem alten überein. Nach 1920 wurde ein neues Kirchensiegel nach einem Abdruck des 1627 verlorenen hergestellt.

Den Pflichtigen war es vielfach unmöglich, die Roggenabgaben an Kirche und Pastor zu leisten. Für 1627/28 wurden ihnen auf kgl. Befehl 623 Mk erlassen. Nachlaß in der Lieferung erhielten auch Jochim Holm in Innien sind Jochim Wittmaack in Böken (5 Himpten und 3 Scheffel). Auch in den Jahren nach dem Friedensschluß stand es flau um die Bauern. Jährlich mußte die Kirche Geld auf Zinsen verleihen, aber nur an ,gute Hufen", bei denen es einigermaßen sicher stand.

Nachdem am 15. Juni 1629 zu Lübeck der Friede geschlossen war, zogen die Kaiserlichen ab. Zu allem Kriegselend gesellte sich noch 1629 die Pest, die in vielen Orten Holsteins fürchterlich hauste. Die vielen neu auftretenden Namen in den Steuerlisten der A. R. 1630 lassen vermuten, daß die vorigen Hufner ein Opfer des Krieges oder der Pest geworden sind. 14 Friedensjahre folgten. Fleißig wurde an der Wiederherstellung und Besserung gearbeitet. 1635 konnte Nortorf ein neues Pastorat für 2199 Mk 8 ß erbauen, 1640 die Turmuhr bessern.

b) Der Schwedenkrieg 1643 —1645

Da zog 1643 ein neues Kriegsgewitter auf. Nach Dänemarks Frieden mit dem Kaiser hatte Schweden in den Dreißigjährigen Krieg eingegriffen und unter Gustav Adolf glänzende Erfolge errungen. Nach seinem 1632 bei Lützen erfolgten Tode kämpften die Schweden mit wechselndem Erfolge weiter. Es war aber nun kein Religionskrieg mehr, sondern alles Streben ging nun auf Landerwerb. 1640 begannen in Münster und Osnabrück die Friedensverhandlungen. Eifersüchtig versuchte Christian IV. jeden Landerwerb Schwedens zu verhindern. Es ging besonders um das Erzbistum Bremen, das des Königs Sohn verwaltete. Da beschloß der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna, mit den alten Feinden, den Dänen, abzurechnen. Der schwedische General Torstenson brach am 11. November 1643 aus Schlesien auf, erreichte am 12. Dezember die holsteinische Grenze bei Steinhorst und besetzte in kurzer Zeit das vollständig unvorbereitete Land. Am 15. Dezember standen schon schwedische Truppen unter dem Obersten Dörfling (der später als Derflinger des Großen Kurfürsten berühmter Feldmarschall wurde) in Kellinghusen, um von dort Itzehoe zu erreichen. Er ergab sich am 17. und am 22. erhielt Itzehoe von Lockstedt, dem Quartier Dörflings, aus einen Schutzbrief Aldringers. Auch Rendsburg ergab sich noch 1643. Hier hatte Torstenson im Februar 1644 sein Hauptquartier.

Im August nahte Hilfe. Ein kaiserliches Heer unter Gallas rückte heran. Torstenson zog sich zurück, ohne angegriffen zu werden. Gallas folgte, wurde dann aber von Torstenson nach Böhmen getrieben.

Kurz nach seinem Abzug schickte Torstenson den „tollen Wrangel" mit 2000 Mann zu Fuß und 500 Reutern, um die in den Festungen zurückgebliebenen Truppen zu retten. Im September hielt Wrangel sich in der Gegend von Itzehoe auf und zog von dort nach Kiel, muß also bei uns durchgekommen sein. Vom März bis August 1645 belagerte er Rendsburg, 22 Wochen lang, ohne die Festung zu nehmen. Durch den am 23. August erfolgten Frieden von Brömsebro fand die Belagerung ihr Ende. Während der Belagerungszeit wurden dauernd Streifzüge durch das Amt gemacht, um Lebensmittel heranzuschaffen.

Die Amtsrechnungen der Jahre 1644 — 46 bilden wieder nur ein einziges dünnes Bündel. Im Aukrug scheint Böken besonders gelitten zu haben. Die Gehöfte von Marx Barchfeldt, Hans Vollstedt und Claus Vollstedt waren abgebrannt, und die von Marx Hintz und Jacob Titken lagen wüst. Nach einer anderen Notiz war auch Hans Titkens Gehöft abgebrannt. Über die anderen Aukrugdörfer liegen keine Nachrichten vor.

Die Nortorfer Kirchenrechnungen sind noch schlechter als im kaiserlichen Krieg geführt. „Von anno 1643 und von ao 1644 und von ao 1645, alßo von dreien Jahren ist von Hauerroggen und Zinsen nichts eingebracht worden." Alles, was irgendwie brauchbar war, scheinen die Schweden fortgeschleppt zu haben. „Vor einem schepel (8) in tho lösen tho Niemünster, so von den Schweden is weg genommen, 2 Mk". „Etliche Stück des seierß (Turmuhr), so von den Schweden weggenommen, eingelöst vor 2 Mk 3 ß", andere Stücke der Uhr wurden für 6 Mk 13 ß 6 Pf eingelöst. Auch die Decke vom Taufstein mußte erneuert werden. Im 1635 neuerbauten Pastorat waren 17 neue Fenster nötige in Küsterei und Kaplanei für 13 Mk Fenster einzusetzen. Viele Hufen waren von ihre Besitzern verlassen. 1649 lagen noch von den wenigen Hufen, die Kirchenroggen lieferten, neun wüst: drei in Gnutz, zwei in Seedorf und zwei in Warder. Von den 31 Tonnen Kirchenroggen aus dem Aukruger Viertel gingen nur 11 Tonnen ein. Die Roggen liefernden Hufen in Innien und Böken blieben zwar von ihren Besitzern bewohnt, waren aber mit ihren Lieferungen im Rückstand. Die Böker Hufe erhielt dadurch eine Schuld von 70 Mk.

Da kein Kirchenroggen einging, konnten Kaplan und Küster kein Gehalt bekommen. Der Kaplan bekam es erst 1649 ausbezahlt. Bis dahin hatte er vom geliehenen Geld leben müssen.

Daß solche wilden Kriegszeiten auch auf die Sitten der Bevölkerung abfärbten, zeigen die Klage- und Brücheregister des Klosters Itzehoe. 1640 wird uns berichtet, daß ein Bauer in Innien brüchfäl1ig geworden war, weil er „einem Kerl, Hans Engelbrecht genannt, mit noch einem Kerl nachgeritten, uff freier Heerstraße selbigen Kerl vom Wagen heruntergeschlagen, Wagen und Pferde genommen und nach seiner Hofstede gebracht" hatte. „Tim Warnsholt claget ,ao 1645 zu Innien, daß ihm eine Kuh von den Schwedischen genommen, und als ihm dieselbe wiederum vor einen Rthlr zu rantzioniren (einlösen) angeboten worden, und dieselbe durch seine Nachbarn Claus Bracker und Ratke Lüßen abholen lassen wollte, hat einer namens Jürgen Rohwedel zur Nordtorff wohnhaft, heimlicher weise den Schwedischen 4 ß mehr geboten, und die Kuh dafür weggenommen, und alß er hernach von dem Kläger darumb besprochen, hat er ihm den Hindersten gezeigt, und ihm kein gut wort dafür gegeben, und ihn wiederumb thun heißen, waß er nicht laßen wolle." Aber man sorgte auch für Gerechtigkeit: Vor Kriegsausbruch war der klösterliche Hufner Claus Trede im Homfeld (10) die Lieferung des Zehntroggens an das Amt Rendsburg schuldig geblieben. Die Schuld belief sich auf 18 Mk 12 ß. Das Amt ließ deshalb bei ihm eine Kuh pfänden, die beim Dingvogt Eler Beecken solange verwahrt werden sollte, bis die Schuld bezahlt war. Nun kamen die feindlichen Truppen und nahmen die Kuh weg. Der Klosterpropst Hans v. d. Wisch nahm sich der Sache an. Durch einen Vergleich mit dem Amtsschreiber erreichte er, daß das Amt dem Claus Trede 10 Mk 10 ß zahlen mußte, weil die Kuh soviel mehr wert gewesen war. — Zum Wiederaufbau der Magdeburger Kirche gab Nortorf 3 Mk.

Die Folge dieser Kriegszüge war ein ungeheures Elend für die Bevölkerung: Die Amtsrechnung 1648 berichtet: Nach dehme nach geschlossenen Frieden sich die Amtsunterthanen wiederumb zu ihren Häusern gefunden, aber alles fast verwüstet vorgefunden, auch ganz erschöpfet gewesen, dahero von ihren Abgiften unmöglich die Behörnuß abtragen können, damit gleichwohl etwas aufm Umbschlage geliefert werden möge, so ist von des kgl. Herrn Ambtmanns Exell. die Verordnung gemacht, daß aus dem ganzen Amte die Summe von 1060 Rthlr aufgebracht und collegiret werde. Maße auch geschehen, daß von den Ambtsunterthanen zusammengebracht und eingehoben als von jedem Pflug 2 Rthlr = 3180 Mk (1 Rthlr hatte 1938 einen Kaufwert von 18 Rm). Um den Leuten zu helfen und auch etwas Geld in die Kassen zu bekommen, ordnete Christian IV. unterm 14. 11. 1646 an: Wer zahlen kann, soll zu Steuern angesetzt werden, die nichts haben, sind ganz frei zu lassen. Die wüsten Hufen sind mit Bauern zu besetzen. Ihnen ist eine gewisse Zeit Freiheit von den gewöhnlichen Abgaben zu gewähren.

Ein Bericht des Rendsburger Amtmanns Christian Rantzau (11) von 1646 gibt uns Nachricht über den schlechten Zustand des Amtes. Er berichtet, daß er fast den ganzen Monat Dezember mit Haltung des Ding und Rechts (Gericht) zubringen mußte, weil es wegen des jetzt überstandenen Krieges in fast vier Jahren nicht gehalten war, „es nunmehr wegen Ew. Königl. Maytt darunter merklich versirenden interesse der bruchfälligen Sachen und deren apdingung halber" gehalten werden muß. (Es wurden nur Geldstrafen verhängt, und der König konnte Geld brauchen.). Es waren im Amte 150 wüste Hufen vorhanden. Das war etwa ein Drittel der Hufen. Um sie wieder zu besetzen, wurden sie von der Kanzel proklamiert, „ob sich niemand finden möchte, der dieselben wieder annehmen wolle. Ich habe über allen angewandten Fleiß niemand dazu bringen können, zumalen, daß bei dem größten Teil die Zimmer und Gebäude abgebrannt, keine Pferde und ander Vieh, welches eisbei Annehmung einer wüsten Hufe pflegen zu bekommen, dabei vorhanden, und also woll zu befahren (befürchten), daß die wüsten Hufen des Amptes nicht in diesem noch in folgenden drei oder vier Jahren alle werden wieder besetzt werden können, zumalen die schweren Contributionen die Leute abschrecken ganze oder halbe Hufen anzunehmen, besonders ein jedweder nur suchet, wie er in einer kleinen Kate oder Hütte sich aufhalten und Wohnung haben möge. Ja noch täglich genug zu schaffen habe, da- ich diejenigen (welches der größeste Teil des Ampts Unterthanen sein), so auf schwachen Füßen stehen, bei ihren Hufen zu pleiben erhalten kann; wie den auch sonderlich die Wiederbesetzung der wüsten Hufen dieses Amptes Rendsburg sehr schwer machet, daß Ew. kgl. Maytt den abgebrannten Untertanen zur Wiederaufbauung ihrer Häußer bishero kein ander Holtz als Leden und Ständer zu gaben, bewilliget, in den benachbarten fürstlichen Ämptern und ander Orten aber ihnen alles nötige Bauholz zur Aufbauung ihres Hauses gegeben wird".

Die nun folgenden zwölf Friedensjahre brachten natürlich keine ausreichende Erholung. Der nun folgende „Polackenkrieg" 1657 — 60 zerstörte das wenige wieder und richtete neuen Schaden an.

c) Der „Polackenkrieg" 1657-1660

Gustav Adolfs Tochter und Erbin hatte 1654 die schwedische Krone niedergelegt und war katholisch geworden. Ihr Vetter Karl X. Gustav von Pfalz-Zweibrücken war ihr Nachfolger geworden. Er bekämpfte von 1656 ab die Polen und gewann mit Hilfe des Großen Kurfürsten die Schlacht bei Warschau. Dem Dänenkönig Friedrich III. schien die Gelegenheit günstig, den Schweden die im Westfälischen Frieden gewonnenen Bistümer Verden und Bremen abzunehmen. Diese hatte Friedrich vor seiner Thronbesteigung verwaltet. So erklärte er am 5. Juni 1657 den Krieg an Schweden. Am 20. Juni erhielt Karl Gustav die Kriegserklärung, brach am 23. auf und erreichte am 22. Juli die holsteinische Grenze bei Trittau. Er zog über Elmshorn und Bramstedt nach Kellinghusen und stand am 5. August vor Itzehoe. Dieses beschoß er mit glühenden Kugeln. Am 7. und 8. August brannte es fast vollständig ab. Über Rendsburg ging er nach Schleswig, wo er schon am 14. August anlangte. Überall blieben schwedische Truppen zurück. Am 28. Februar 1658 erfolgte der Friedensschluß, nachdem die Schweden mehrere dänische Inseln besetzt hatten. Aber schon im August erneuerte Karl Gustav den Krieg, indem er Truppen auf Seeland landete. Darauf zogen österreichische und brandenburgische Truppen unter dem Großen Kurfürsten, begleitet von polnischen Truppen, zur Unterstützung der Dänen herbei. Schleswig-Holstein war, wie schon so oft, Schauplatz der Kämpfe. Es hatte wieder alle Drangsale des Krieges zu ertragen. Besonders die Polen hausten fürchterlich, so daß der ganze Feldzug als „Polackenkrieg" noch lange im schlechten Andenken stand.

Unser Gebiet hatte wieder schwer zu leiden. Der Wald zwischen Böken und Gnutz wurde von den Schweden abgebrannt. Viele Bäume wurden geschlagen. Die Bauern mußten sie nach Willenscharen fahren. Nortorf soll zum Teil abgebrannt sein (12).

Wieder sind die Amtsrechnungen in Unordnung. In den Rechnungen wird auf Beilagen verwiesen, die Näheres angeben sollen, aber gerade diese wichtigen Beilagen fehlen. So können wir keine Angaben über Verluste im Aukrug bringen.

Die Nortorfer Kirche, die Gebäude der Geistlichen und des Küsters hatten wieder sehr gelittene. 1660 wurde für 33 Mk, 1661 für 54 Mk Fensterglas gebraucht. Vom Kirchenspeicher raubten die Schweden 3 1/2 Tonnen Roggen. Die Böker Hufe blieb wieder ihre 3 Tonnen Roggen schuldig, in Gnutz fehlen 1660 von fünf Hufen 13 Tonnen Roggen, in Thienbüttel von zwei Hufen 5 Tonnen. Aus dem Bargstedter Viertel fehlen 15 Tonnen von zehn Hufen. Noch 1663 sind 104 Mk, 1664 noch 89 Mk als Restanten aus dem Aukrüger Viertel verzeichnet. Gleichfalls blieben die Schuldner der Kirche mit den Zinsen im Rückstand. Manche Bauern mußten wieder Geld von der Kirche leihen, so Hans Stieper (Glindemann) in Böken. Wieder sind von den Kirchenroggen liefernden Hufen einige wüst geworden, zwei in Warder und eine in Schülp werden genannt. Der Kaplan erhielt wieder kein Gehalt, sondern mußte während der Kriegszeit Geld für seinen Unterhalt „von ehrlichen Leuten auf Zinsen nehmen". Dem Kirchenjuraten Frenz Kaack in Nortorf raubten die Polacken die Kirchenrechnung.

Dazu kam eine teure Zeit. 1656 kostete der Roggen in Nortorf 3 Mk 20 ß, 1661 aber 13 Mk die Tonne. „Die Leute sind wegen "der ausgestandenen Kriegspressuren sehr abgemattet" (14). Zu allem kam noch eine Viehseuche, die „Kage", die große Verluste verursachte. Einem Bauern in Homfeld wurden deshalb von seiner 20 Rthlr 9 ß betragenden Kontribution 5 Rthlr 24 ß erlassen. Hans Tancks Hufe in Bargfeld war 1667 an Claus Homfeld für die Hälfte der Steuern überlassen. Er sollte das Haus wieder aufbauen und die verhauene Hölzung in Stand bringen (14).

Claus Breyholtz in Meezen wollte seine Hufe für die Hälfte der Steuern nicht behalten und „hat sie verlassen". 1670 nahm Marr Breyholtz die Hufe unter der Bedingung, die Hälfte der Steuern abzutragen, an. Er verkaufte eine Wiese, bezahlte mit dem erlösten Geld seine Gläubiger und ging davon. Claus Fölster hatte diese Wiese gekauft, wollte aber die Hufe nicht annehmen. 1673 nahm Marx Timm sie für ... Rthlr jährliche Steuern an (14).

Hans Ohrt in Homfeld hatte 1667 eine Hufe dort angenommen. Er erhielt acht Freijahre, in denen er keine Steuern zu geben hatte. Als diese Jahre 1675 abgelaufen waren, heißt es „Will weichen, wenn ein anderer was dafür geben will". Diese Bemerkung kehrt jährlich bis 1679 wieder. 1680 häuerte er die Hufe frei von Kontribution, 1681 für 18 Rhtlr, 1683 für 48 Rthlr. Diese bezahlte er aber nicht, sondern Graf Detlef Rantzau auf Breitenburg, der Pfandinhaber des Kirchspiels Kellinghusen war, mußte sie vorschießen (14). Es hatte sich noch 1685 keiner gefunden, der die Hufe ohne Kaufgeld nur für die jährlich fälligen Steuern übernehmen wollte!

1682 erließ Graf Detlef Rantzau an seinen Kirchspielvogt Hans Langfeld in Kellinghusen über die obigen drei Hufen eine Verfügung.

Die obigen drei Hufen sind bisher als Hauergüter behandelt. „Ich aber nicht gemeint, daß dergleichen Güter in dem Kirchspiel inskünftig mehr sein, sondern vielmehr ein jeder nach seinem Vermögen gesetzet und angeschlagen werden soll (zur Steuer). Als wird meinem Kirchspielvogt Hanß Langfeldten hiemit befohlen, daß er obige drei Hubener inskünftig observiren und sie danach zu Register zu setzen, wieviel ein Jetweder die Herrengelder als eine volle Hube bezahlen, in der Contribution aber Marx Timm vor 3/4, Hanß Ohrt und Claus Humfeld aber ein jeder vor eine halbe Hufe erlegen und die Kontributionsgelder einbringen sollen! Die Besitze in Meezen und Bargfeld sind später wieder Vollhufen, der Homfelder Besitz blieb Halbhufe, d. h. sie hatte nur die Hälfte der Steuern einer Vollhufe zu bezahlen. Dadurch ging ihr bei der Feldaufteilung von dem ihr ursprünglich zustehendem Lande die Hälfte verloren.

In den Jahren bis 1700 sind die Konkurse sehr häufig. Überall werden wüste und schwache Hufen in den Steuerregistern erwähnt. In dieser Zeit waren in Bünzen 3 in Bucken 2 halbe, in Böken 3 u. 1 achtel, in Innien 1 u. 2 achtel vermögende, in Bünzen 1, in Innien 3, in Böken 2 und 2 Achtel mittelmäßige, in Bünzen 1 und in Böken 2 schwache Hufen. In Konkurs kam auch die abgebrochene Carstensche Hufe in Innien. „Kund und zu wissen sey hiemit Jedermänniglich, nachdem wegen Clauß Glindemanns zu Innien am 27sten February dieses Jahres ein gewöhnliches proclama ergangen und in termino folgenden Monaths Martij keiner deßen Creditoren zu Verzeichnung der Schulden, und beobachtung ferneren Rechtens, in der Nortorfischen Voigtei erschienen, und durch solches Ausbleiben der Creditoren, dieselbe samt und sonders, mit ihren etwa habenden Forderungen, inhalts proclamatis hinfüro gäntzlich präcludiret worden, daß dahero der kgl. Kirchspielvoigt zu Nortorff Christian von Würtzen, zu schuldiger observance Kgl. interesse, um sothane Hufe nicht unbesetzt zu lassen, mit einem guten Kerl auß kgl. Hoheit, Nahmens Ehler Heeschen, und mit Consens deß gantzen Kirchspiels, sich dato dahin verglichen und vereinbahret, daß derselbe mehrbemelte Huffe mit eines Jahres Freyheit von allen Diensten und oneriby, vor sich und seine Erben eigenthumbl. in Besitz nehmen und ... die kgl. Contribution mit Vier Marck vorerst monathlich biß zu beßeren auß Kommen richtig abtragen solte. Worauf ihm dann würckl. angewiesen ein lediges Hauß mit dabey gehörigem Lande, so schlecht gedünget, eine alte Scheune, welche so forth gedecket werden muß. An Horn Viehe 2 Kühe, 1 Stark, 2 Kälber, an Pferden 7 alte abgetriebene Pferde, davon eines soforth verrecket, An Saatkorn 7 Tonnen. Mit solchem allen zu seinem und der seinigen Nutzen und Besten eigenes Gefallens hinkünftig zu schalten und zu walten, wie er bestens kan und mag. 25.3.1692.

Über das Vorgehen des Kirchenspielvogts klagt 1708 der Johann, Sohn des vorgenannten Claus Glindemann, daß seines Vaters Claus, Glindemann, Hufe in Innien vom Kirchspielvogt v. Würtzen aufgeboten sei. Die Hufe war über 100 Jahre von seinen Vorfahren bewohnt. Sie hieß Glindemanns Hufe. Als der Vater Claus Glindemann bei Chr. v. Würtzen mit 4 Rthlr Kontribution im Rückstand geblieben sei, ließ dieser die Hufe aufbieten (versteigern). Sie hatte 9 Tonnen Roggenaussaat, 7 Pferde, 8 Stück Vieh. Der verstorbene Vater hatte dem Kirchspielvogt 50 Rthlr geboten, wenn er ihn nicht von seiner Väter Erbe vertreiben würde, aber das nützte nichts (16).

Christian von Würtzen (15).