Archiv:Einleitung (1959)

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Einleitung (1959)

Soll ich Dir, lieber Leser, den ,,Aukrug" schildern, so kann ich das nicht einfacher tun, als daß ich Dich mit mir nehme auf den Boxberg, die Höhen zwischen Homfeld und Bucken, die uns den besten Überblick über unsere Gegend gewähren. Sie sind ein kleiner Höhenzug aus der vorletzten Vereisung und seit etwa 100 000 Jahren eisfrei. Bis zu 76 m ansteigend, haben sie verschiedene Hügel mit steilen und sanften Hängen. 1905 wollte man den Boxberg mit Nadelholz aufforsten. Der Alte wehrte sich aber, denn der Dampfpflüger zog ab, weil der Untergrund so voll großer Steine war, daß der Pflug beschädigt wurde. Nach 1950 hat die Besitzerin ihn zum größten Teil mit Fichten und Lärchen bepflanzt. Nur etwa 4 ha auf der höchsten Stelle sind als Landschaftsschutzgebiet der Bepflanzung entzogen. Der Naturfreund bedauert dies Bepflanzen, aber der nur wirtschaftlich denkende Mensch verlangt mehr Wald. Bald wird die Aussicht nach Osten und Norden durch den aufwachsenden Wald behindert sein, und nur Ausblicke nach Süden und Westen bleiben nach.

Sieh nach Westen, nach Bucken. Einst war es ein Rittersitz. Ein wenig links davon liegt der Landsberg mit drei Hünengräbern. Leider haben Grabschänder sie zu durchwühlen versucht. Zerstöre sie nicht weiter! Schone die Ruhestätte der vor Jahrtausenden Begrabenen!

In dem Tal zwischen dem Boxberg und Landsberg wird die neue Ost-West-Straße gebaut. So wird der Boxberg leicht zu erreichen sein, aber mit seiner köstlichen Ruhe ist es dann vorbei!

Nach Süden verhindern Tannenwälder schon heute den Ausblick auf die Wasserspiegel der Behmschen Fischteiche an der alten Lübschen Trade. Über den Landsberg erkennt man Häuser von Meezen, sieht Grauel und über Bucken das Kirchdorf Hohenwestedt auf dem Nindorfer Höhenzug, der durch ein großes Wiesental vom Boxberg getrennt ist. Im Vordergrund liegen die ausgedehnten Homfelder und Innier Waldungen. Das Dorf Homfeld wird in wenigen Jahren vom Boxberg aus nicht mehr zu sehen sein. Es hat große Bauernhöfe, bis zu 235 ha. Seit alter Zeit von freien Bauern bewohnt, sind dort vier Gehöfte, die seit mehr als 400 Jahren in der Familie Ratjen (Rathjen) vererbt sind. Elf Hufen umfaßte das Dorf, 1768 waren acht von ihnen von den Ratjen bewohnt.

Hinter Homfeld senkt sich das Gelände. Die Gletscher, die die Hügel unter unseren Füßen zusammengeschoben haben, sind schnell nach Osten und Nordosten zurückgegangen und haben keine oder nur Hügel von geringer Höhe zurückgelassen. Erst bei Westensee haben sie halt gemacht oder sind, nachdem sie schon weiter zurückgegangen waren, wieder vorgestoßen. Die Schmelzwässer der zurückgehenden Gletscher haben die oberen Erdschichten ausgewaschen, Ton und schlämmbare Bestandteile ausgelaugt und weggeführt und uns den mageren Sand gelassen.

Hier an den Boxbergen und den Nindorfer Höhen trafen die in breiter Fläche, dahinströmenden Wassermassen auf Höhen, die ihnen den weiteren Abfluß versperrten. Ein großer See bildete sich, begrenzt von den Boxbergen, den Höhen von Meezen, Grauel, Hohenwestedt, Tappendorf, Mörel, Heinkenborstel, Bargstedt, Gnutz und Viertshöhe. Ungeheure Wassermassen sammelten sich hier an und fortwährend strömten neue hinzu. Da wurde die große Schale zu voll. An der niedrigsten Stelle des Randes zwischen Innien und Böken lief sie über. Ein Flußtal bis zu 100 m Breite entstand, das den Absperriegel durchschnitt und sich dauernd vertiefte. Die „Große Au" (Buckener Au) entstand und mit ihr gleichzeitig und in ähnlicher Weise die anderen Auen und Bäche unseres Gebiets in ihrer ersten Anlage, viel breiter, tiefer und wasserreicher als heute, das ganze Wiesental bis an den Rand ausfüllend. Als die Gletscher bei Westensee vor etwa 10 000 Jahren verschwunden waren, hörte das massenhafte Zuströmen des Wassers auf. Das Wasser im See wurde ruhiger. Die mitgeführten festen Bestandteile senkten sich zu Boden und erhöhten ihn. Die Vertorfung begann vom Rande aus. See und Flußtal wurden allmählich kleiner. Noch in geschichtlicher Zeit waren sie sehr sumpfig. Erst durch die Arbeit unserer Bauern haben die Wiesen ihre heutige Beschaffenheit erlangt.

Sieh Dir jetzt die Dörfer an! Über dem Walde nach Norden ragen zwei hohe Schornsteine in die Luft. Es sind die der Ziegelei und des früheren Elektrizitätswerks Innien. Das Dorf Innien ist hinter den hohen Waldungen versteckt. Darüber hinweg sieht man Böken und die Ausbauten Viertshöhe. Etwas weiter rechts sieht man den Ilohforst und die ausgebauten Höfe in der Heide, die zu Böken und Bünzen gehören. Bünzen ist wegen der Waldungen nicht mehr zu erkennen und ebenso Bargfeld nicht.

Sieh Dir die weitere Umgebung an! Im Osten erblickt man die vielen Schornsteine der Fabriken in Neumünster. Nach Norden liegt Nortorf mit seinem spitzen Kirchturm, unser Mutterkirchdorf. Nach Westen begrenzen die Hohenwestedt-Nindorfer Höhen den Blick, nach Osten die Boostedter Berge. Ein Gebiet von 48,88 km² bildet den Aukrug, mit dem das heutige Kirchspiel Innien (bis auf Bucken) übereinstimmt. Aus der Geschichte dieses kleinen, aber schönen Gebiets soll das vorliegende Buch erzählen.