Archiv:Mein Dorf

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So ähnlich hätte womöglich auch der zweite Band der Schulbuchreihe ausgesehen: Wunder der Heimat von August Lorenz Band 1: Unsere Heimat Schleswig-Holstein
Deckblatt des ersten Manuskripts
Handschriftliches Inhaltsverzeichnis des ersten Manuskripts
Der Einband des Böker Dorfbuches
Offenbar arbeitete Georg Reimer mit Durchschlägen: Seite 10, im Original als 8 nummeriert
In der zweiten Fassung: Seite 10 (ehemals 8), redigierte Version
Die Ortspläne wurden aus dem Dorfbuch abfotografiert und ins Manuskript übernommen. Sie fanden später auch in der Geschichte des Aukrugs 1959 Verwendung.
Am 11. Januar 1944 wurde in der Landeszeitung ein Abschnitt aus dem Böker Dorfbuch abgedruckt

Inhaltsverzeichnis von Mein Dorf - Eine kurze Zusammenstellung der Geschichte Bökens als Beispiel für die Dorfforschung, unveröffentlichtes Manuskript von Georg Reimer, 50 Seiten Text zzgl. Zeichnungen und Statistiken, ca. 1951[1]. Das Werk war angedacht als zweiter Band der von August Lorenz initiierten Schulbuchreihe Wunder der Heimat, die 1948 mit Heft 1: Unsere Heimat Schleswig-Holstein[2] begonnen wurde und keine Fortsetzung fand.

Entstehungsgeschichte

Im Landesarchiv Schleswig sind eine Urschrift mit handschriftlichen Anmerkungen und ein auf Schreibmaschine geschriebenes überarbeitetes (zweites) Manuskript erhalten geblieben, aus dem Georg Reimer offenbar später einige Texte für seine Geschichte des Aukrugs (fertiggestellt 1957, erschienen 1959) übernahm, nachdem eine Veröffentlichung als eigenständiges Buch nicht mehr möglich schien. Den Artikelüberschriften wurde bei der Digitalisierung der Anhang "(Mein Dorf)" angefügt, damit diese von den zum Teil gleichlautenden Kapiteln der Geschichte des Aukrugs 1959 unterscheidbar sind.

Teile des Buches basieren auf dem Dorfbuch Böken, das Georg Reimer zur Zeit des Nationalsozialismus zusammengestellt und offenbar auch fortgeführt hat. Das im Hohenwestedter Archiv vorgefundene Exemplar ist eine Klemmmappe, in der Texte und Unterlagen zur Geschichte Bökens gesammelt wurden. Es gibt einige Belege, dass wesentliche Teile bis 1939 erstellt bzw. gesammelt oder fertiggestellt wurden, aber auch Hinweise, dass später noch Eintragungen erfolgten. Die Daten des Jahres 1940 erscheinen beispielsweise in der Grafik zur Bodennutzung und kleine textliche Ergänzungen sind auf der Rückseite einer Reichsfettkarte vom November 1942 notiert und eingeheftet. Die Übernahme der Hufe 10 durch Willi Reimers 1948 wurde mit Schreibmaschine in der vorhandene Liste nachgetragen, die Zahlen für die Schweinehaltung um das Jahr 1952 ergänzt. Auf jeden Fall wurde der Klemmordner des Dorfbuches von Georg Reimer weiterverwendet, sei es für Notizen oder die Ablage von Dokumenten, auch nach 1945.

Für das 1951 geplante Büchlein ließ er Landkarten und Grafiken aus dem Dorfbuch abfotografieren und verwendetet die entwickelten Fotos in der zweiten Version des Manuskripts. Einige von ihnen gelangten so später auch in die Geschichte des Aukrugs aus dem Jahr 1959. Sie sind eindeutig als Ablichtung aus dem Dorfbuch zu identifizieren, da man auf jedem der Böker Ortspläne das in Fraktur gedruckte Wort "BLATT" nicht retuschierte oder abschnitt.

Aus dem Vergleich der beiden Versionen des Manuskripts wissen wir, dass Georg Reimer alle Texte auf Schreibmaschine mit einem Durchschlag tippte - eine nutzte er offenbar zur Durchsicht und notierte seine Änderungen, die andere finden wir als sauber redigierte Fassung für die zweite, "druckreife" Version. Einige Textstellen, besonders aus den Kapiteln Flurnamen und Vorgeschichte, finden sich auch im Böker Dorfbuch, sie wurden aber bei der "Abschrift" für das neue Buch aktualisiert, ergänzt oder neu gegliedert.

Georg Reimer verlor 63-jährig 1945 aufgrund seiner NSDAP-Parteimitgliedschaft seine Anstellung als Lehrer in Böken. Vielleicht dachte er nach seiner Entlassung über neue Möglichkeiten nach, die Geschichte Bökens zu veröffentlichen? Die von August Lorenz initiierte Schulbuchreihe Wunder der Heimat, die 1948 mit Heft 1 Unsere Heimat Schleswig-Holstein begonnen wurde, mag ihn auf die Idee gebracht haben, sein umfangreiches historisches Wissen über sein Heimatdorf neu niederzuschreiben. Auf jeden Fall entstanden so damals auch Kapitel und Textabschnitte, die er ein paar Jahre später für die Neufassung der Geschichte des Aukrugs nutzen konnte. Wer sich fragt, warum dieses Werk in einigen Kapiteln etwas "bökenlastig" ist, findet hier eine Erklärung.

Unser Dorfbuch

Im Archiv des Amtes Mittelholstein befindet sich ein Exemplar des "Böker Dorfbuches", das vermutlich Ende 1938 weitgehend fertiggestellt war. Das Dorfbuch spielte in der NS-Volksbildung eine Rolle als propagandistisches Bildungsmaterial des Deutschen Volksbildungswerks (DVW), das 1938 gegründet wurde und als Amt der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF) innerhalb der Deutschen Arbeitsfront (DAF) fungierte. Es idealisierte das dörfliche Leben als „Dorfgemeinschaft“ im Sinne der NS-Volksgemeinschaft, diente der weltanschaulichen Erziehung und Integration ländlicher Bevölkerungsschichten durch Themen wie Blut-und-Boden-Ideologie, Rassengedanken und Führerprinzip.

Ersonnen wurde die Idee von dem NS-Politiker Robert Ley, der das DVW damit beauftragte, die dörflichen Gemeinden bei der Erstellung zu unterstützen. Die Deutsche Arbeitsfront veröffentlichte 1940 eine Anleitung unter dem Titel "Unser Dorfbuch. Richtlinien für die Bearbeiter". In Schleswig-Holstein hatte man schon Anfang der 1930er Jahre mit der Erstellung von "Heimatbüchern" begonnen, 1938 wurde die Idee der Dorfbücher landesweit verbreitet (siehe Presseberichte). Im November 1938 wurde Georg Reimer sogar als Sachbearbeiter für die "Einrichtung" der Dorfbücher im Kreis Rendsburg bestellt[8], was vermuten lässt, dass er für das Böker Dorfbuch schon einiges zusammengestellt hatte.

Die Arbeit am Dorfbuch sollte...

„...Kern der gemeinschaftlichen Feierabendgestaltung des Dorfes sein, denn sie erziehe "zu Dorf und Heimat, zu Volk und Vaterland im Geiste der nationalsozialistischen Volks- und Staatsordnung". Die Erstellung eines Dorfbuches sei ein Mittel, die gemeinschaftlichen Veranstaltungen des Dorfes in einer Art Chronik festzuhalten. Unter Federführung des Dorfschullehrers sollen so örtliche Ereignisse mit den nationalen und überstaatlichen Entwicklungen verbunden werden, um einen Lernprozeß im Sinne der NS-Weltanschauung voranzutreiben.“

Georg Fischer: Erwachsenenbildung im Faschismus - Eine historisch-kritische Untersuchung über die Stellung und Funktion der Erwachsenenbildung zwischen 1930 und 1945, Seite 120, 1981, ISBN 3887040147

Vergleich Inhaltsverzeichnisse

Georg Reimer orientierte sich weder beim Dorfbuch, noch beim späteren Manuskript an dem Inhaltsverzeichnis aus der 1940 publizierten Propagandaschrift Unser Dorfbuch. Richtlinien für die Bearbeiter. Lediglich das Kapitel Von der Gründung unseres Dorfes bis zum Ausbruch des Weltkrieges verfasste er im Dorfbuch unter der vorgeschlagenen Kapitelüberschrift.

Richtlinien für die Bearbeiter (1940) "Mein Dorf" Böken (1951) "Unser Dorfbuch" Böken
Ehrentafel für die Gefallenen der Bewegung nein nein
Ehrentafel für die Helden des Krieges nein nein
Ehrentafel für die Opfer der Arbeit nein nein
Ehrentafel für die deutschen Mütter nein nein
Das heutige Dorfbild
Dorfplan für die Jahre 1724, 1770, 1800, 1870, 1914 vorhanden
Beschreibung des Dorfes und seiner Flur Überblick über die Gegend und Lage des Dorfes nein
Flurkarte und Flurnamen Flurnamen und Flurkarte vorhanden
Dorfpflege und Dorfverschönerung nein nein
Der Mensch unseres Dorfes
Der Menschenschlag nein nein
Familiennamen und Vornamen Besitzerübersicht 1589-1939 nein
Bevölkerungszahl und natürliche Gliederung nein Einwohnerzahlen
Wanderungsbewegung nein nein
Die Bauernsippen Die alten Bauernfamilien nein
Die Geschichte unseres Dorfes
Vor- und Frühgeschichte Vorgeschichte vorhanden
Von der Gründung unseres Dorfes bis
zum Ausbruch des Weltkrieges
Das alte Dorf und seine Entwicklung vorhanden
Unser Dorf im Weltkriege nein nein
Die Geschichte der nationalsozialistischen
Bewegung in unserem Dorf
nein nein
Unser Dorf im Großdeutschen Reich nein nein
Das Volkstum unseres Dorfes
Sitte und Brauch im Jahreslauf Sitten und Gebräuche nein
Sitte und Brauch im Lebenslauf nein nein
Volkssprache und Mundart nein nein
Volksglaube und Volksweisheit Bauernregeln nein
Volkslied und Volksmusik nein nein
Volkstanz und Spiel Dorffeste nein
Volkstracht nein nein
Volkskunst nein nein
Haus und Hof
Haus- und Hofformen Das Bauernhaus nein
Hausblatt (50 Vordrucke) nein nein
Wichtige Gebäude und Plätze nein nein
Hausrat und Hausschmuck nein nein
Bäuerliches Gerät und Tagewerk Saat und Ernte nein
Das ständische Leben in unserem Dorf Berufe der Bewohner nein
Der Bauer Bodennutzung und Viehbestand nein
Der Handwerker nein nein
Sonstige Berufe Die Glashütte bei Viertshöhe nein
Die äußeren Lebensformen
Das wirtschaftliche Leben in unserem Dorf Licht- und Wasserversorgung nein
Handel und Verkehr nein nein
Das Gesundheits- und Fürsorgewesen nein nein
Das Schulwesen Unsere Schule nein
Die Verwaltung unseres Dorfes nein nein

Galerie

Im Dorfbuch wurden bei der Sichtung diese lose eingelegten Fotos entdeckt. Die Beschriftung stammt von den Rückseiten der Bilder.

Einzelnachweise

  1. In einer eingeklebten Notiz ergänzte Reimer Zahlen zum Viehbestand der Jahre 1940, 1946, 1950 und 1951. Für sein Manuskript verwendete er die Karten und Grafiken aus dem Böker Dorfbuch.
  2. Eine Buchreihe für die Schule herausgegeben im Aufträge des Allgemeinen Schleswig-Holsteinischen Lehrervereins
  3. Das Kapitel Saat und Ernte wurde 1959 leicht überarbeitet in das Kapitel Sitten und Gebräuche übernommen.
  4. Das Kapitel Feuerung wurde 1959 nahezu unverändert in das Kapitel Sitten und Gebräuche übernommen.
  5. Das Kapitel Das Bauernhaus wurde 1959 nahezu unverändert in das Kapitel Sitten und Gebräuche übernommen.
  6. Teile des Kapitels Sitten und Gebräuche wurden im Heimatkundlichen Jahrbuch 1951 veröffentlicht.
  7. Das Kapitel Bauernregeln wurde nahezu unverändert in die Chronik 1959 übernommen.
  8. siehe Datei:Reimer Einrichtung eines Dorfbuches Zeitungsband (1938-11-26) - UB Kiel digital.png