Männergesangverein Aukrug von 1882

Aus Aukrug Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Programmbogen aus dem Jahre 1907
MGV Aukrug 1994
Fahnenweihe — alte und neue Fahne
Auf dem Bild fehlen: Ingo Pahlke, Wolfgang Harms, Rainer Biermann, Bruno Janitz, Heinz Ivers
Chorleiter Otto Godow
Chorleiter Konrad Rieckmann 1. Vorsitzender Otto Brus
Sängerfest der Arbeitsgemeinschaft "An der Westbahn" 7. September 1952 in Innien
Sängerfest der Arbeitsgemeinschaft "An der Westbahn" 7. September 1952 im Biergarten des Aukrug-Tivoli
Landwirtschaftsminister Flessner überreicht die Zelter-Plakette an den 1. Vorsitzenden H.-H. Rathjen
Zelter-Plakette
Urkunde zur Zelter-Plakette für den Männergesangverein Aukrug

Der Männergesangverein Aukrug von 1882 ist der älteste Chor in Aukrug. Die Mitgliederzusammensetzung ist generationsübergreifend. Die Männer stammen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und kommen vorwiegend aus Aukrug und den direkten Nachbargemeinden, Wasbek, Sarlhusen aber auch aus Krogaspe, Timmaspe, Ehndorf und Neumünster.

Der Chor

Der Aukruger Männerchor, unter Leitung von KMD Günter Bongert, sieht seine Aufgabe darin, unsere Gemeinde Aukrug und das regionale Umfeld - den Naturpark Aukrug - mit musikalischem Leben zu erfüllen und Kontakte mit Menschen aller Generationen, die Freude am Singen haben, zu knüpfen. Das Liedgut besteht aus heimatgebundenen Stücken, aber auch aus der klassischen und geselligen Chormusik, Stücke aus dem weiten Feld der Operette, der Oper, des Musicals und der Popmusik. Dieser Mix kommt bei den Sängern und den Gästen bei den Auftritten gut an und es findet sich hier jeder wieder, ob jung oder alt. Unser Motto lautet: „Auf Bewährtes bauen und für Neues offen und aufgeschlossen sein“. Im Laufe eines Jahres steht eine Vielzahl von Auftritten bei verschiedenen Anlässen auf dem Programm.

Geschichte in der Chronik von 1978

Männergesangverein

Nachdem die unruhigen zwei Jahrzehnte der Loslösung Schleswig-Holsteins aus dem dänischen Machtbereich und der Eingliederung in das preußisch-deutsche Staatswesen vorüber waren sowie der deutsch-französische Krieg 1870/71 die ersehnte Errichtung des deutschen Kaiserreiches gebracht hatte, trat in den Aukrugdörfern die Ruhe des Friedens mit der gewohnten Tagesarbeit wieder ein.

Die Bevölkerung des Aukrugs hatte an den nationalen Bewegungen lebhaften Anteil genommen und ihren Blutzoll entrichtet:

Joachim Muxfeldt aus Innien fiel bei Friedrichstadt am 4.10.1850 im Befreiungskampf gegen Dänemark. Hans Ibs aus Bünzen, C. Jargstorff aus Innien und Hans Lüneburg aus Bargfeld fielen in den blutigen Kämpfen bei Gravelotte; O. Rehder aus Homfeld bei Belfort im Kampf gegen Frankreich.

Alle starben sie für den Gedanken der nationalen Freiheit und Selbständigkeit Deutschlands. Aus dem Gefühl der Zugehörigkeit zur großen deutschen Lebensgemeinschaft regte sich auch in den Bewohnern des Aukrugs das Bestreben nach Geselligkeit und die Freude am deutschen Liedgut, dem Volkslied der Romantik wie den patriotischen Gesängen der deutschen Nationalbewegung. Im Protokollbuch des „Gesangverein für Innien und Umgebung von 1882" steht auf der ersten Seite in sorgfältiger, ausdrucksvoller Schrift der bezeichnende Satz:

„Wo man singt, da laß dich fröhlich nieder,

böse Menschen haben keine Lieder!”

Dann heißt es in genauer Abfassung weiter:

„Behufs Gründung eines Männergesangvereins für Innien und Umgebung ward von seiten verschiedener gesanglustiger Männer daher ein freundliches Ersuchen an die Bewohner des sog. Aukrugs gerichtet, derwegen an einer auf den 13. Dezember 1882, abends 6.00 Uhr anberaumten Versammlung im Lokale des Gastwirts Reimers in Innien teilnehmen zu wollen. Von allen in dieser Versammlung Anwesenden ward, soweit es nicht schon durch Beitrittserklärung (Unterzeichnung eines Circoulair's geschehen) einstimmig der Wunsch ausgesprochen, sobald wie möglich eine Liedertafel zu errichten. Zwecks dieses, und um Statuten zu entwerfen, ward ein provisorischer Vorstand gewählt, bestehend aus den Herren: Diekgräf-Homfeld, Harms, Prieß und Kuhlmann-Innien, und eine abermalige Versammlung auf den 18. Dezember 1882, abends um 6.00 Uhr im Vereinslokale festgesetzt."

In den am 18. Dezember beschlossenen Statuten steht in § 1 wörtlich: „Zweck des Vereins ist Vereinigung gesangfähiger Kräfte von Innien und Umgebung zu einer geschlossenen Gesellschaft, um durch regelmäßige Übungen und Vorträge sich im Männergesang auszubilden und mit dem musikalischen Genuß gesellige Freude au vereinigen."

Es heißt dann weiter, „alle Einwohner Inniens und Umgebung, die einen unbescholtenen Ruf haben, können als Mitglieder in den Verein aufgenommen werden ..." Man legte von vornherein auf absolute Honorigkeit Gewicht und damit auf die gesellschaftliche Bedeutung neben der Gesangsausübung.

Bezeichnend für die soziale Auffassung der damaligen Zeit ist die Bestimmung: „Dienstboten, die einen unbescholtenen Ruf haben und aktives Mitglied zu werden wünschen, kann der Antrag nur gestattet werden, so sie die spezielle Einwilligung ihres Dienstherrn beibringen." Man unterscheidet aktive und „soziale", d. h. passive Mitglieder und ist offensichtlich bemüht, eine einwandfreie, zuchtvolle Gesellschaft zu repräsentieren. So erklärt sich der Passus im § 6 der Statuten:

„Bei grober Verletzung von Anstand und Sitte durch ein oder durch mehrere Mitglieder kann der Vorstand dem oder den Betreffenden gebieten, augenblicklich das Lokal zu verlassen." Die Gründer nahmen es ernst mit ihrem Vorhaben, indem sie schon fünf Tage später, am 23. Dezember, also am Tag vor Heiligabend, die aktiven Mitglieder und den Dirigenten zu einer Zusammenkunft einberiefen, um die „Stimmenprüfung und Eintheilung zum vierstimmigen Männergesang" vorzunehmen. Dirigent war H. Böge, Hohenwestedt.

Der erste gewählte Vorstand wurde gebildet aus dem

  • Vorsitzenden Lehrer Dammann, Innien;
  • Schriftführer und Kassierer O. Kuhlmann, Innien;
  • Beisitzer Lehrer Diekgräf, Homfeld und
  • Vertreter der sozialen Mitglieder F. Mehrens, Bargfeld.

Der erste Übungsabend fand am 6. Januar 1883 statt. Es gehörten dem Verein bei seiner Gründung 28 aktive und 28 soziale Mitglieder an. Die Vereinstätigkeit muß zunächst recht rege gewesen sein, denn schon 1884 legten sich die Sänger eine Vereinsfahne zu.

Im Laufe des Jahres 1886 wurden die Protokolleintragungen aber spärlicher und hörten 1887 mit der Angabe eines Mitgliederbestandes von 40 passiven und 14 aktiven Mitgliedern ganz auf. Ab 1889 hat der Verein anscheinend ganz geruht, denn erst 1895 erfolgte folgende Eintragung in das Protokollbuch:

„Dieweil der Gesangverein zu Innien und Umgegend bereits sechs Jahre geschlummert, und jetzt wieder von neuem aufgerichtet ist. So ward die erste Versammlung am 10. Juni 1895 im Schulhaus zu Innien."

21 Personen erklärten ihren Beitritt als aktive Mitglieder. Sie wählten einen Vorstand (wörtlich nach dem Protokoll):

„Als Direktor (gemeint ist wohl Dirigent) Herr Lehrer Gierth. Vorsitzender August Pries, Schriftführer B. Witt, Beisitzer M. Mester, Revesoren Johannes Staben, Fritz Bock, Fahnenträger M. Radjen. Als passives Mitglied wurde Johannes Jarstorf im Vorstand gewählt. Der Quartalbeitrag beträgt pro Mitglied 80 Pfennig."

Das gesellschaftliche Interesse am Gesangverein scheint groß gewesen zu sein, so läßt es die verhältnismäßig hohe Mitgliederzahl vermuten, hingegen scheint es mit der Bereitschaft zum Singen und zum Besuch der wöchentlichen Übungsabende gehapert zu haben, denn die Zahl der aktiven Sänger geht schnell zurück. 1898 sind es nur noch 121

1899 sind die einstweilig letzten Protokolleintragungen gemacht, und dann folgt die nächste Aufzeichnung erst am 6. September 1913!

Es scheint aber der Vereinsbetrieb nicht vollkommen geruht zu haben, denn im Protokoll von 1913 findet sich kein Hinweis auf eine Neugründung. Auf einen gewissen Neuanfang deutet aber die Wahl eines Gesamtvorstandes hin.

  • 1. Vorsitzender wird Johannes Behrens, Getreidehändler und Begründer des Auhofes;
  • 2. Vorsitzender wird Johannes Rathjen,
  • Kassierer und Schriftführer Heinrich Brüggen,
  • Vertreter der Passiven Claus Harms, Bünzen.

Aber, kaum wieder zum Leben erwacht, zwingt der 1. Weltkrieg 1914-18 zur Einstellung der Sangestätigkeit, denn die aktiven Sänger müssen in den Krieg.

Erst Anfang 1921, am 22. Febr., kamen die noch vorhandenen aktiven Sänger von früher zu einer Versammlung im Vereinslokal Johannes Lipp, Hotel Aukrug-Tivoli, zusammen und beschlossen, am Sonnabend, dem 26. Febr. 1921, mit dem ersten Gesangsabend unter der Leitung des neugewählten Dirigenten, Lehrer Rohde, Gnutz, zu beginnen. Der Kassierer und Schriftführer, Heinrich Brüggen, war im Kriege gestorben, und Gastwirt Johannes Lipp wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Kassierer der Strafgelder wurde Johann Gosch. 29 aktive Sänger begannen einen neuen Abschnitt der Vereinsgeschichte unter der Leitung des schon 1913 gewählten Vorsitzenden Johannes Behrens. Dirigent Rohde trat bald zurück und Lehrer Clausen, Bargfeld, übernahm das Amt und verwaltete es zehn Jahre bis 1931. Im Juni 1924 fand in Innien ein großes Kreis- und Sängerfest statt. Am Chorsingen im Gehölz von Heinrich Ratjen, Homfeld, nahmen 450 Sänger teil!

Ab 1924 ist Heinrich Strauß Schriftführer. 1929 erfolgte der Beitritt zum Deutschen Sängerbund. Am 13. Januar 1932 wurde Hermann Ratjen, Bargfeld, 1. Vorsitzender, Johann Gosch 2. Vorsitzender und Lehrer Walter Zillen, Homfeld, Dirigent. 1933 fand ein Kreissängerfest im Gemeindegarten statt. 1934 trat Zillen zurück, und Lehrer Brandenburg, Innien, übernahm das Amt. 1935 wurde nach dem Austritt von Hermann Ratjen aus dem Verein Johann Gosch sein Nachfolger. Am 29. Jan. 1936 erfolgte die derzeitig letzte Protokolleintragung.

Die gewaltige sozial- und machtpolitische Bewegung dieser Zeit ließ wohl die Pflege eines kunstvollen, unpolitischen Gesanges ersterben. Erst unter dem 28. Dez. 1948 erscheint in Form eines Versammlungsberichts eine neue Protokolleintragung.

Es heißt darin, daß der Verein seit 1939 wegen des 2. Weltkrieges neun Jahre geruht habe und nun die nachfolgenden Sangesbrüder und Heimatvertriebenen trotz der noch herrschenden l.tot den Verein neu ins Leben gerufen hätten:

Otto Rathjen, Johs. Lipp, Hermann Rathjen, Bargfeld; Jacob Wiens, Otto Bruse, Heinrich Hauschildt, Eduard Steffen, Louis Lockner, Fritz Kaschening, Hans Lohse sen., Heinrich Staben, Max Brüggen, Max Ritter, W. Wichmann, H. Strauß, Carsten Stöterau, Otto Blohm und Alfred Dornblut.

Es wurden einstimmig in den Vorstand gewählt als: 1. Vorsitzender Heinrich Strauß, als 2. Vorsitzender und Kassierer Hans Lohse, ab 1950 Fritz Genz, ab 1952 Otto Rathjen; als Schriftführer Otto Bruse und als Dirigent Berufsmusiker Johs. Ruge, Oster-stedt, der 1953 von dem pensionierten Polizeibeamten Otto Godow abgelöst wurde. Godow führte den Taktstock energisch und mit Erfolg 14 Jahre, bis er 1967 aus Altersgründen zurücktrat. Sein Nachfolger wurde Konrektor Konrad Rieckmann.

Von 1958 bis 1976 war Friseurmeister Albert Nielsen ein sehr korrekter, gewissenhafter Kassenführer.

1956 trat Otto Bruse an die Spitze des Vereins und sein Bruder Walter wurde Schriftführer. Die Zahl der aktiven Sänger stieg auf über 30 und blieb in dieser Zahl konstant.

Der 2. Vorsitzende wechselte im Laufe der Jahre von Anton Sattler auf Hans Helmut Rathjen, von dem auf Hans Zadow und ab 1972 ist Hans Helmut Rathjen ständig 2. Vorsitzender des Vereins. In den drei Jahrzehnten, 1948 bis 1978, hat der Männergesangverein alle geistigen Wandlungen und Veränderungen der Zeit gut überstanden und sich zu großer Geschlossenheit und hoher öffentlicher Anerkennung entwickelt. Es haben sich immer angesehene Bürger gefunden, die bereit waren, aus Freude an Gesang und Geselligkeit sich dem Verein zu widmen. Es verdienen, besonders genannt zu werden:

Der ehemalige Getreidehändler Johannes Behrens, der von 1913 bis 1932 den Verein geleitet hat; der frühere Schmiedemeister Heinrich Strauß, der viele Jahre hindurch als Schriftführer und dann noch als 1. Vorsitzender für den Verein tätig gewesen ist. Ihm folgt dann mit gleichem Einsatz Verwaltungsamtsrat Otto Bruse, der gleich nach dem 2. Weltkrieg erst als Schriftführer und dann als 1. Vorsitzender über 20 Jahre hindurch dem Verein seinen Stempel aufgedrückt hat. Heinrich Strauß und Otto Bruse ist es gelungen, die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten zu integrieren und ihnen das Gefühl völliger Zugehörigkeit zu vermitteln. So konnte Otto Bruse mit berechtigtem Stolz vor der Generalversammlung am 13. Febr. 1965 darauf hinweisen, daß die hiesige Einwohnerschaft den Verein in zunehmendem Maße als einen Kulturträger des Aukruges anerkenne.

Es spannt sich ein großer Bogen von den Männern der ersten Stunde im Jahre 1882, Lehrer Diekgräf, Homfeld; Harms, August Prieß und Otto Kuhlmann, Innien, zu den gegenwärtigen Vereinsleitern Otto und Walter Bruse und den Repräsentanten der neuen Generation, Uhrmachermeister Hans Helmut Rathjen, Innien, und Wolfgang Harms. Der erfolgreichen Sangesgemeinschaft ist es zu wünschen, daß sich im Laufe der kommenden Jahrzehnte immer wieder sangesbegeisterte Bürger finden, die fähig und bereit sind, den Verein kraftvoll in das neue Jahrhundert hineinzuführen.

Mit Hilfe der Lehrer Gierths, Clausen, Zillen, Brandenburg und jetzt Rieckmann im Aukrug hat sich das schwierige Problem, in dem ländlichen Bereich befähigte Dirigenten zu finden, zufriedenstellend, ja zum Teil ausgezeichnet lösen lassen. Aber auch die auswärtigen Dirigenten, H. Böge, Hohenwestedt; Musikmeister Johs. Ruge, Osterstedt, und der tüchtige frühere Militärmusiker Otto Godow haben mit großer Hingabe erfolgreich das wichtige Amt wahrgenommen. Die Aukruger sollten wie bisher auch in aller Zukunft ihrem Männergesangverein die Treue halten!


Geschichte in der Chronik von 1995

Einen ausführlichen Bericht über den Männergesangverein, der vor über 100 Jahren gegründet wurde, findet man in „Die Geschichte des Aukrugs" auf den Seiten 375 — 379.

In der Nachkriegszeit wurde der Verein durch Otto Bruse geprägt. Er war 24 Jahre lang 1. Vorsitzender. Von den beiden Chorleitern Otto Godow und Konrad Rieckmann wurde anspruchsvolles Liedgut eingeübt, das Sängern und Zuhörern viele Freude brachte.

1979 übernahm der bisherige 2. Vorsitzende Hans-Helmut Rathjen den Vorsitz. Unter seiner Leitung feierte der Verein sein 100jähriges Jubiläum. Anläßlich einer Feierstunde in Itzehoe wurde der Verein von dem damaligen Landwirtschaftsminister Günter Flessner mit der vom Bundespräsidenten verliehenen Zelterplakette ausgezeichnet. Besonders beeindruckend war in diesem Jahr ein Festkonzert mit dem Frauenchor der Volkshochschule in unserer Kirche. Bei dem anschließenden Empfang mit ca. 400 Gästen im „Gasthof Au-krug" wurde die neue Vereinsfahne geweiht. Eine großzügige Spende des Schirmherrn Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg machte diese Anschaffung möglich.

Höhepunkt des Jubiläums war am 7. August 1982 die Festveranstaltung im großen Zelt auf dem Sportgelände. Nach einem Umzug durch den festlich geschmückten Ortsteil Innien mit allen beteiligten 13 Chören der „Sängergruppe an der Westbahn" und einigen Gastchören folgten die Liedvorträge im Zelt. Bei dieser Veranstaltung wurde die enge Zusammenarbeit der beiden Aukruger Chöre sichtbar. Sie sangen neben den Einzeldarbietungen einige Lieder gemeinsam als gemischter Chor. Diese Gesangstücke kamen bei den Zuhörern sehr gut an.

Das Jubiläumsjahr hat der Chor mit seinem Leiter Thomas Taubert, dem 1. Vorsitzenden Hans-Helmut Rath-jen, dem 2. Vorsitzenden Hans-Jürgen Howoldt, Kassenwart Wolfgang Harms und Schriftführer Horst Engler mit Bravour gemeistert.

1984 übernahm Ingo Pahlke den 1. Vorsitz. Diese nicht immer ganz einfache Aufgabe erfüllt er mit Ruhe und Umsicht. Er wird unterstützt vom 2. Vorsitzenden Detlef Rathjen.

Der Kassenwart Klaus Strüben sorgt für „gesunde Finanzen", während Otto Butenschön als Schriftführer tätig ist. Hans Jürgen und Claus Butenschön waren zwischenzeitlich 2. Vorsitzende. Bei den Chorleitern folgte nach der zweijährigen Tätigkeit von Thomas Taubert 1983 Günter Ruddek. Von 1984 bis 1987 leitete Jens Jakobsen den Chor. 1988 zeigte die Vereinsführung Mut, indem sie den Chor einer jungen Chorleiterin anvertraute. Seitdem hält Ulrike Vogt die ca. 30 Sänger mit alten und neuen Liedern in Schwung.

Über 50 Jahre hat Max Brüggen als aktiver Sänger im Verein gesungen, er verkörperte als Ehrenmitglied ein Stück Vereinsgeschichte. Im Sommer 1990 ist er verstorben. 1991 hat der Verein den Namen in „Männergesangverein Aukrug von 1882 e.V." geändert und ins Vereinsregister eintragen lassen.

Neben dem jährlichen Stiftungsfest Ende November mit dem Frauenchor und den fördernden Mitgliedern singt der Chor bei goldenen Hochzeiten, am Volkstrauertag und zu Weihnachten in der Kirche gemeinsam mit dem Frauen- und dem Erlenhofchor. Einmal im Jahr wird am Sängerwettstreit auf dem Sängerfest der „Sängergruppe an der Westbahn" teilgenommen. 1992 konnte der Verein auf 110 Jahre erfolgreiches Chorsingen zurückblicken. Ein großer Teil der Aukruger sind passive Mitglieder des Vereins. Sie unterstützen so den Verein und den Chorgesang.

Damit der Männergesangverein weiterhin seiner Aufgabe gerecht werden kann, sind sangesfreudige Männer in der Sängergemeinschaft herzlich willkommen.

Aus der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum 1992

Die 100 Jahre der Vereinsgeschichte des Männergesangvereins von 1882 bis1982 umfassen eine Zeitspanne in der deutschen und schleswig-holsteinischen Geschichte, die von beglückenden Höhen und erschütternden Tiefen gekennzeichnet ist. Politische und wirtschaftliche Veränderungen griffen auch in die Abgeschiedenheit der Aukrugdörfer nachhaltig ein. Die Schwung-kraft des Strebens nach nationaler Einheit, die überall im deutschen Volk aufflammende Begeisterung für die Entstehung des deutschen Kaiserreichs mit ihren patriotischen Liedern machte sich schließlich auch im Aukrug bemerkbar. Man wollte auch hier, wie überall in Deutschland, die deutschen Lieder singen und frohe Geselligkeit treiben. So Setzte man auf die erste Seite des Protokollbuches den bekannten Satz:

"Wo man singt, da laß dich fröhlich nieder,
böse Menschen haben keine Lieder !"

Die gefühlvolle, liederfreudige Adventszeit, die ruhigste Zeit im bäuerlichen Leben, hat dann den allgemein empfundenen Wunsch zur Gründung einer Liedertafel Wirklichkeit werden lassen. Noch am Tag vor Heiligabend wurden die aktiven Mitglieder mit dem als Dirigenten vorgesehenen H. Böge, Hohenwestedt, zur ersten Zusammenkunft einberufen, um, wie es in der Einladung hieß, "die Stimmprüfung und Eintheilung zum vierstimmigen Männergesang"vorzunehmen. Der erste gewählte Vorstand wurde gebildet aus dem

  • Vorsitzenden Lehrer Dammann, Innien,
  • Schriftführer und Kassierer O. Kuhlmann, Innien,
  • Beisitzender Lehrer Diekgräf, Homfeld, und
  • Vertreter der passiven Mitglieder F. Mehrens, Bargfeld.

Der erste Übungsabend fand am 6. Januar 1883 statt, Es gehörten dem Verein bei seiner Gründung 28 aktive und 28 passive Mitglieder an. Die Vereinstätigkeit muß zunächst recht rege gewesen sein, denn schon 1884 legten sich die Sänger eine Vereinsfahne zu. Im Laufe des Jahres 1886 wurden die Protokolleintragungen aber spärlicher und hörten 1887 mit der Angabe eines Mitgliederbestandes von 40 passiven und 14aktiven Mitgliedern ganz auf. Ab 1889 hat der Verein anscheinend ganz geruht,denn erst 1895 erfolgte folgende Eintragung in das Protokollbuch:

"Dieweil der Gesangverein zu Innien und Umgegend bereits 6 Jahre geschlummert, und jetzt wieder von neuem aufgerichtet ist. So ward die erste Versammlung am 10. Juni 1895 im Schulhaus zu Innien."

21 Personen erklärten ihren Beitritt als aktive Mitglieder. Sie wählten einen Vorstand (wörtlich nach dem Protokoll)

"Als Direktor (gemeint ist wohl Dirigent) Herr Lehrer Gierth. Vorsitzender August Pries,  Schriftführer B.Witt, Beisitzender M.Mester, Revesoren Johannes Staben, Fritz Bock, Fahnenträger  M. Radjen. Als passive Mitglieder wurde Johannes Jarstorf im Vorstand gewählt. Der Quartalbeitrag  beträgt pro Mitglied 80 Pfg."

Das gesellschaftliche Interesse am Gesangverein scheint groß gewesen zu sein, so läßt es die verhältnismäßig hohe Mitgliederzahl vermuten, hinge-gen scheint es mit der Bereitschaft zum Singen und zum Besuch der wöchentlichen Übungsabende gehapert zu haben, denn die Zahl der aktiven Sänger geht schnell zurück. 1898 sind es nur noch 12 !

1899 sind die einstweilig letzten Protokolleintragungen gemacht, und dann folgt die nächste Aufzeichnung erst am 6. September 1913 ! Es scheint aber der Vereinsbetrieb nicht vollkommen geruht zu haben, denn im Protokoll von1913 findet sich kein Hinweis auf eine Neugründung. Auf einen gewissen Neuanfang deutet aber die Wahl eines Gesamtvorstandes hin.

  • 1. Vorsitzender wird Johannes Behrens, Getreidehändler und Begründer des Auhofes,
  • 2. Vorsitzender wird Johannes Rathjen,
  • Kassierer und Schriftführer Heinrich Brüggen,
  • Vertreter der Passiven Claus Harms, Bünzen.

Aber, kaum wieder zum Leben erwacht, zwingt der 1. Weltkrieg 1914-18 zur Einstellung der Sangestätigkeit, denn die aktiven Sänger müssen in den Krieg.

Erst Anfang 1921, am 22. II., kamen die noch vorhandenen aktiven Sänger von früher zu einer Versammlung im Vereinslokal Johannes Lipp, Hotel Aukrug-Tivoli, zusammen und beschlossen, am Sonnabend, d. 26. II, 1921, mit dem ersten Gesangabend unter der Leitung des neugewählten Dirigenten, Lehrer Rohde,Gnutz, Zu beginnen. Der Kassierer und Schriftführer Heinrich Brüggen war im Kriege gestorben, und Gastwirt Johannes Lipp wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Kassierer der Strafgelder wurde Johann Gosch. 29 aktive Sänger begannen einen neuen Abschnitt der Vereinsgeschichte unter der Leitung des schon1913 gewählten Vorsitzenden Johannes Behrens.

Dirigent Rohde trat bald zurück und Lehrer Clausen, Bargfeld, übernahm das Amt und verwaltete es 10 Jahre bis 1931. Im Juni 1924 fand in Innien ein großes Kreis-Sängerfest statt. Am Chorsingen im Gehölz von Heinrich Ratjen, Homfeld, nahmen 450 Sänger teil !

Ab 1924 ist Heinrich Strauß Schriftführer.1929 erfolgte der Beitritt zum Deutschen Sängerbund.

Am 13. Januar 1932 wurde Hermann Ratjen, Bargfeld, 1. Vorsitzender, Johann Gosch 2. Vorsitzender und Lehrer Walter Zillen, Homfeld, Dirigent. 1933 fand ein Kreissängerfest im Gemeindegarten statt. 1934 trat Zillen zurück, und Lehrer Brandenburg, Innien, übernahm das Amt, 1935 wurde nach dem Austritt von Hermann Ratjen aus dem Verein Johann Gosch sein Nachfolger. Am 29. I. 1936 erfolgte die derzeitig letzte Protokolleintragung.

Die gewaltige sozial- und machtpolitische Bewegung dieser Zeit ließ wohl die Pflege eines kunstvollen, unpolitischen Gesanges ersterben. Erst unter dem 28.12.1948 erscheint in Form eines Versammlungsberichts eine neue Protokolleintragung. Es heißt darin, daß der Verein seit 1939 wegen des 2. Weltkrieges 9 Jahre geruht habe und nun die nachfolgenden Sangesbrüder und Heimatvertriebenen trotz der noch herrschenden Not den Verein neu ins Leben gerufen hätten:

Otto Rathjen, Johs. Lipp, Hermann Rathjen, Bargfeld, Jacob Wiens, Otto Bruse, Heinrich Hauschildt, Eduard Steffen, Louis Lockner, Fritz Kaschening, Hans Lohse, sen. ‚Heinrich Staben, Max Brüggen, Max Ritter, W. Wichmann, H, Strauß, Carsten Stöterau, Otto Blohmund, Alfred Dornblut.

Es wurden einstimmig in den Vorstand gewählt als

  • l. Vorsitzender Heinrich Strauß, als
  • 2. Vorsitzender und Kassierer Hans Lohse, ab 1950 Fritz Genz, ab 1952 Otto Rathjen,
  • als Schriftführer Otto Bruse und als
  • Dirigent Berufsmusiker Johs. Ruge, Osterstedt,der 1953 von dem pensionierten Polizeibeamten Otto Godow abgelöst wurde. Godow führte den Taktstock energisch und mit Erfolg 14 Jahre, bis er 1967 aus Altersgründen zurücktrat. Sein Nachfolger wurde Konrektor Konrad Rieckmann.

Von 1958 bis 1976 war Friseurmeister Albert Nielsen ein sehr korrekter, gewissenhafter Kassenführer.

1956 trat Otto Bruse an die Spitze des Vereins und sein Bruder Walter wurde Schriftführer. Die Zahl der aktiven Sänger stieg auf über 30 und blieb in dieser Zahl konstant.

Der 2. Vorsitzende wechselte im Laufe der Jahre von Anton Sattler auf Hans Helmut Rathjen, von dem auf Hans Zadow, und von 1972 bis 1979 hatte Hans Helmut Rathjen das Amt inne.

Es verdienen besonders genannt zu werden:

der ehemalige Getreidehändler Johannes Behrens, der von 1913 bis 1932 den Verein geleitet hat, der frühere Schmiedemeister Heinrich Strauß, der viele Jahre hindurch als Schriftführer und dann noch als 1. Vorsitzender für den Verein tätig gewesen ist. Ihm folgte mit gleicher Einsatzfreudigkeit der Verwaltungsamtsrat Otto Bruse, der unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg erst als Schriftführer und dann als I. Vorsitzen-der über 20 Jahre hindurch dem Verein seinen Stempel aufgedrückt hat. Heinrich Strauß und Otto Bruse ist es gelungen, die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten zu integrieren und Ihnen das Gefühl völliger Zugehörigkeit zu vermitteln. So konnte Otto Bruse mit berechtigtem Stolz vor der Generalversammlung am 13.2.1965 darauf hinweisen, daß die hiesige Einwohnerschaft den Verein in zunehmendem Maße als einen Kulturträger des Aukrugs anerkenne.

Daß aber auf Erden nichts von Bestand ist und sich alles in stetem Wandel befindet, das sollte auch bald unser Verein erfahren. Ein Jahr nach dem Gruppensängerfest anläßlich der 850-Jahrfeier der Gemeinde Aukrug, 1978, mußte der bewährte und allseits geschätzte 1. Vorsitzende Otto Bruse sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellen. Er hatte es 24 Jahre mit Hingabe und Pflichttreue verwaltet! Seine Ernennung zum Ehrenvorsitzenden war das äußere Zeichen der Verehrung und des Dankes, das der Verein ihm entgegenbrachte. Noch im gleichen Jahre, am 28.6.1979, mußten seine Sangesbrüder ihn nach einer ergreifenden Trauerfeier zu Grabe geleiten.

Zu seinem Nachfolger wurde der langjährige 2. Vorsitzende, Hans-Helmut Rathjen, gewählt. Doch schon im nächsten Jahr traf erneut ein schwerer Schlag den Verein. Der erfolgreiche Chorleiter Konrad Rieckmann erkrankte so sehr, daß er seinen Dirigentenstab für immer niederlegen mußte. Am 19. Januar 1981 senkte sich die alte Vereinsfahne zum Zeichen der Ehrung und Dankbarkeit auch über sein Grab.

Der Musiklehrer Thomas Tauber aus Wasbek wurde zum neuen Dirigenten verpflichtet. Mit Hilfe der Lehrer Gierths, Clausen, Zillen, Brandenburg und Rieckmann im Aukrug hat sich das schwierige Problem, in dem ländlichen Bereich befähigte Dirigenten zu finden, zufriedenstellend, ja zum Teil ausgezeichnet lösen lassen. Aber auch die auswärtigen Dirigenten, H. Böge, Hohenwestedt, Musikmeister Johs. Ruge, Osterstedt und der tüchtige frühere Militärmusiker Otto Godow haben mit großer Hingabe erfolgreich das wichtige Amt wahrgenommen. Jetzt schickt sich Thomas Tauber an, es ihnen gleichzutun.

Rückschauend erkennen wir, wie sich ein großer Bogen spannt von den Männern der ersten Stunde im Jahre 1882, Lehrer Diekgräf, Homfeld, Harms,August Prieß und Otto Kuhlmann, Innien, über die tatkräftigen und erfolgreichen Vereinsleiter der 60er und 70er Jahre, Otto u. Walter Bruse und Albert Nielsen, zu den Repräsentanten der neuen Generation, die nun nachdem Beschluß der Generalversammlung vom Januar 1982 den jetzigen Vorstandbilden, und zwar

  • Hans-Helmut Rathjen als 1. Vorsitzender,
  • Hans-Jürgen Howoldt als 2. Vorsitzender,
  • Horst Engler als Schriftführer und
  • Wolfgang Harms als Kassenführer.

Der nun 100 Jahre alten Sangesgemeinschaft ist es zu wünschen, daß sich in den kommenden Zeiten immer wieder sangesfrohe Bürger in der Gemeinde finden, die bereit und fähig sind, den Verein erfolgreich durch das 2. Säkulum seiner Geschichte zu führen. Alle Aukruger sind deshalb aufgerufen,auch in Zukunft dem ruhmreichen Männergesangverein die Treue zu halten und des Spruches eingedenk zu sein:

Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust 
und lauter Liederklang;
ein frohes Lied aus heit’rer Brust
macht froh den Lebensgang!

Aufgestellt von Heinrich Bünger

Siehe auch