Erste Schleswig-Holsteinische Waldverband

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Gedenkstein: Baumschule des ersten Schleswig-Holsteinischen Waldverbandes. 1880 wurde dieser Stein zwischen der Itzehoer Chaussee und den Behm'schen Teichen aufgestellt (heute Fischzucht Kemnitz). Er trägt die Inschrift: "Baumschule des Ersten Schlesw. Holst. Waldverbandes gegründet im Jahre 1874. Den Wald zu pflegen, Bringt Allen Segen" (Foto von 1978)
Inschrift nach der Sanierung 2021
Der Gedenkstein 1995 und 2020
Ernte des Waldbauern

Der Erste Schleswig-Holsteinische Waldverband wurde am 25. März 1874 in Innien gegründet. Er hatte großen Einfluß auf die Waldpflege und Neuanpflanzungen im Aukrug. Bereits bis 1907 wurden cirka 200 Hektar minderwertiges Ackerland und Heideländereien mit dem Dampfpflug tiefgepflügt und aufgeforstet. Durch das Wirken des Waldverbandes wurde in ca. 30 Jahren die Waldfläche im Aukrug von 490 ha (1874) auf 930 ha (1906) fast verdoppelt.

Geschichte

Der Aukrug darf sich rühmen als erstes Gebiet einen Waldverband ins Leben gerufen zu haben. Freilich gab es Jahrhunderte vorher sogenannte „Holzschulen" in Dithmarschen und im Kirchspiel Schenefeld. Das waren aber nicht Vereinigungen, um neue Waldungen anzulegen, sondern eidliche Verpflichtungen des Dorfes, selbst kein Holz zu stehlen und Holzdiebe anzuzeigen. Der Aukruger Waldverband hatte ein ganz anderes Ziel: Er wollte den Wald pflegen, neue Waldungen anlegen und Heideflächen bewalden.

Um 1870 sah es in unseren Waldungen schlecht aus. Man ließ wachsen, was wachsen wollte, fällte Bäume, die das meiste Holz brachten, achtete nicht auf einen geschlossenen Waldbestand. Man verwüstete die Wälder weiter, wie man es Jahrhunderte vorher schon getan hatte.

Nadelholz gab es damals noch sehr wenig im Kreise Rendsburg. Um 1780 waren in Nienkattbek Kiefern (2) angepflanzt, die 1883 in Brusthöhe einen Durchmesser von 1-2 Fuß hatten. Etwa 1846 hatte der Landwirtschaftliche Verein des Amtes Rendsburg bei Nienjahn 120 Tonnen mit Nadelholz bepflanzt. Im Aukrug hatte Jakob Ratjen in Homfeld 1850 den Buchenbestand einer Tonne Land abgetrieben und im nächsten Jahr die Fläche mit Fichten bepflanzt. In den sechziger Jahren waren daraus Weihnachtsbäume für 25 Pf. das Stück verkauft, und später für 600 M Latten geschlagen worden. 1907 wurde der Bestand für 2025 M verkauft. Hauen und Abfuhr gingen zu Lasten des Käufers. In 50 Jahren war ein Ertrag von 3000 M erzielt. In Böken war der letzte Buchenbestand auf dem Bokhorst um 1880 gefällt. Böken und Bünzen hatten dann keinen Waldbestand mehr.

Nun kam Ende der sechziger Jahre der Privatförster Christiansen in unsere Gegend. Seinen Vornamen nennt das Protokoll des Waldverbandes nicht. Er war ein Mann von ungewöhnlichen Fähigkeiten, hatte aber in seiner Laufbahn als Förster gründlich Schiffbruch gelitten und kümmerte sich um seine eigenen Verhältnisse äußerst wenig, zeigte aber eine ausgesprochene Neigung, interessante und brauchbare Pläne zu schmieden und dadurch anderen vorwärts zu helfen.(4) 1869 gründete er das „Landwirtschaftliche Casino an der Bünzau", aus dem sich der Landwirtschaftliche Verein entwickelte. Einige Jahre war er Präsident des Vereins. Anfang 1871 legte er das Amt ohne Begründung nieder und schied auch als Mitglied aus. Nun war er für seine große Aufgabe frei. Er durchwanderte unsere Wälder und sah ihre Verwahrlosung, sah, wie falsch der Holzeinschlag betrieben wurde, sah, daß große Heideflächen und Waldblößen, die forstlich gut anbaufähig waren, ungenutzt dalagen. „Unbekümmert um menschliche Eigenheiten, um Wind und Wetter, um Hunger und Durst, um Mangel jeglichen Komforts und ausgestattet mit einer eigenen Gabe, andere für seine Ideen zu gewinnen, machte er sich an die zugänglichsten Waldbesitzer heran, zeigte ihnen theoretisch und vor allem praktisch, was eigentlich Waldbau und Waldpflege sei, wie man pflanzen und schlagen, überhaupt, wie man eine intensive Forstkultur treiben müsse." Er nahm dabei die Gastfreundschaft seiner Klienten, die ihm in weitestem Umfang geboten wurde, sehr gerne an, hatte er doch kein eigentliches Zuhause, sondem lebte und übernachtete da, wo er gebraucht wurde. Sein Ziel, dem er unaufhörlich nachstrebte, war „Wartung und Pflege der vorhandenen Waldbestände und Schaffung neuer Waldgründe". Es ist erstaunlich, welchen Einfluß er in kurzer Zeit auf die Waldbesitzer gewann, die rationeller Forstkultur zugänglich waren. Durch interessante Unterhaltung hat er bei allen denkenden Waldbauern ein forstwissenschaftliches Verständnis herangebildet. Durch seine dauernden Streifzüge durch die Waldungen kannte er die einzelnen Hölzungen meistens besser als der Besitzer selbst. Er war immer zur rechten Zeit da, um die nötigen Arbeiten anzuordnen und zu beaufsichtigen. Schade, daß dieser befähigte Mann es in geordneten Verhältnisse nicht aushalten konnte. Nach wenigen Jahren mußte er seine Tätigkeit im Waldverband verlassen. Das Protokoll des Waldverbandes gibt keine Gründe für sein Ausscheiden an. Es spricht ihm den Dank des Waldverbandes aus, und die Sparkasse bewilligte ihm eine Gratifikation. Er soll sich später im Kirchspiel Kellinghusen aufgehalten haben.

Die ersten, die Christiansens Ansichten als richtig anerkannten, waren Hartwig Breyholtz und sein Besitznachfolger Otto Taube in Wiedenborstel, Hans Detlef Ratjen in Bargfeld, Claus und Jakob Ratjen in Homfeld. Sie alle haben in einer Zeit, wo für Vereins- und Genossenschaftsleben fast jegliches Verständnis fehlte, alles darangesetzt, eine Waldbaugenossenschaft ins Leben zu rufen. Das war um so schwerer, als diese Genossenschaft anfänglich nur Geldausgaben brachte und einen Nutzen erst in viel späterer Zeit bringen konnte.

Aufruf zur Gründung

Die Mitgliederwerbung für die Gründung einer Waldbaugenossenschaft bereitete zunächst gewisse Schwierigkeiten. Hufner H. Voß aus Heinkenborstel musste sich kräftig "ins Geschirr legen", um die zaghaften und unentschlossenen Berufsgenossen ernstlich aufzurufen und zu ermahnen. Voß schrieb in den "Itzehoer Nachrichten" wie folgt:

Bekanntlich ist vor nicht langer Zeit im „landwirtschaftlichen Verein in Hohenwestedt“ und im „landwirtschaftlichen Casino an der Bünzenerau“ das Statut einer Waldbaugenossenschaft erörtert worden, von welchem ein Exemplar an die Gemeindevorsteher der Walddörfer versandt worden ist mit dem Ersuchen, die Waldbesitzer möchten dieser Genossenschaft beitreten. Dann, wenn 5.000 t Waldareal gezeichnet sind, werden die Mitglieder der Genossenschaft zusammentreten, sich einen Verwaltungsrat und einen Förster wählen und somit die Waldgenossenschaft ins Leben rufen lassen. Da der Beitritt aber träge vonstatten geht drängt es mich. den ungewollten Weg der Öffentlichkeit zu beschreiten, um die Betreffenden aufzufordern, beizutreten, rasch beizutreten, damit die Vereinigung uns zum· Segen – möglicherweise der ganzen Umgegend zum Reichtum werden kann.

Euch, die Ihr Euer Holz etwa schon weggetan habt, darf ich sagen: Ihr irrt, wenn ihr meint, in Zukunft kein Holz mehr schlagen zu dürfen; im Gegenteil: die träge wachsenden verkrüppelten Stämme werden dem raschwachsenden Anwuchs auf gewünschte Anordnung des Försters bald weichen müssen; und. Euch, die Ihr in der Waldkultur schon hinlänglich fortgeschritten seid, rufe ich zu: helft auch uns fort; helft die wüsten Plätze zu bewalden; helft der ganzen Umgegend zur Zierde und zum Wohlstand.

Es wird auch immer Freude machen, wenn wir mit einem wissenschaftlich gebildeten, zugleich praktischen Förster alljährlich den Wald entlang spazieren; dann werden auch wir dem Förster zuhören, wenn er uns über seine forstlichen Erfahrungen berichtet und uns für die Pflege unserer Wälder dienliche Hinweise gibt.

Alles drängt in der Jetztzeit zur Genossenschaft.

Die Einzelkraft reicht nicht mehr hin, das Höchste zu erzielen und den Anforderungen der Welt zu genügen. Daher weg mit den bisher geäußerten Bedenken. Der Beitrag von einem Schilling ( = 12,5 Pf) für die Tonne Waldareal an den Förster wird tausendfältige Frucht tragen. Freuen würde ich mich, wenn diese Worte dazu beitragen möchten, daß in einigen Tagen dem Herrn von Wehrs auf Alt Böternhöfen oder mir als seinem Stellvertreter zahlreiche Beitrittserklärungen zur Waldbaugenossenschaft eingereicht werden würden.

Hufner H. Voß Heinkenborstel, 2.4.1870

Der Voß'sche Aufruf zeigt uns, daß es nicht einfach war, moderne betriebswirtschaftliche Grundsätze einer rationellen Waldbewirtschaftung in der breiten bäuerlichen Praxis durchzusetzen. Man war nicht ohne weiteres bereit, sich hinsichtlich des Holzeinschlags und des Verkaufs den Anweisungen eines Försters zu unterwerfen. Schon gar nicht, wenn dafür auch noch jährlich ein Beitrag gezahlt werden mußte. Aber auch diese konservative Einstellung konnte überwunden werden. Der Waldbauverband, der erste forstwirtschaftliche Zusammenschluß in Schleswig-Holstein, wurde gegründet. Und der Bericht des Verbandssekretärs Jipp (1907) enthält bereits mehrere Hinweise, wie segensreich er im Hinblick auf die Aufforstung vorhandener Ödlandflächen gewirkt hat.

Den Ausführungen von Hufner H. Voß, Heinkenborstel, entnehmen wir weiterhin, daß die Waldbaugenossenschaft (Verband) ganz bsonders·durch den Vorsitzenden des „Hohenwestedter landwirtschaftlichen Vereins", von Wehrs, Alt-Böternhöfen, gefördert wurde. Von Wehrs gehörte viele Jahre der ·Direktion des "Landwirtschaftlichen Generalvereins" ' in Kiel als Mitglied an. Er ist in der Geschichte unseres schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Vereinswesens dadurch besonders bekannt geworden, daß er - stets sehr temperamentvoll - für eine verstärkte Eigenhilfe der Landwirte eintrat. Er war bereit, auf jegliche Staatsunterstützung zu verzichten:

"Lasst uns tatkräftig auferstehen zu dem Bewußtsein, daß wir den Aufgaben unseres Berufes allein gewachsen sind, daß es als freien Männern uns zukommt, für unsere Güter selbst einzutreten." Aus diesem Geist der Selbsthilfe entstanden in unseren Aukrugdörfern neben dem Waldbauernverband die vielen Genossenschaften und auch die Landwirtschaftsschule in Hohenwestedt.

Der Grundstein zu dem Waldbauernverband war bereits am 24. Juli 1869 in der Versammlung des "Hohenwestedter landwirtschaftlichen Vereins" gelegt worden, als das Statut, das für den Verband die Rechtsform einer eingetragenen Genossenschaft vorsah, eingehend beraten wurde. An dieser Versammlung nahmen auch die Bauern aus unseren Aukrugdörfern teil; sie vertraten das landwirtschaftliche Casino.

Gründung und Statut

1874 war endlich das Ziel erreicht. Mit Hilfe des Heidekulturvereins konnte der „Erste schleswig-holsteinische Waldverband" am 25. März gegründet werden. Er hat in den Jahren seines Bestehens Großes für die Erhaltung, Pflege und Vergrößerung unserer Wälder geleistet. Über Ziel und Arbeitsweise des Waldverbandes gibt das Heidekulturvereinsblatt 1875, S 114 ff, Auskunft:

Statut des Waldverbandes für die Dörfer Homfeld, Innien, Bargfeld, Bünzen, Sarlhusen, Wiedenborstel, Meezen und Hennstedt.

§ 1. Der Zweck des Waldverbandes ist, die vorhandenen Holzbestände zu erhalten, durch einen rationellen Betrieb zu verbessern und durch Beforstung von Heiden und schlechten, entfernt liegenden Acker- und Wiesenländereien zu vermehren.

§ 2. Der Verband wird geleitet durch einen gewählten Vorstand, aus drei Mitgliedern bestehend, welche unter sich die Geschäfte als Leitung, Geschäftsführung und Cassenverwaltung verteilen. Außerdem werden zwei Revisoren gewählt. Jedes Jahr wird ein Vorstandsmitglied und ein Revisor neugewählt. Über den Austritt entscheidet in den ersten Jahren das Los, später die Amtsdauer.

§ 3. Jährlich im Februar wird eine General-Versammlung vom Vorstande durch Cirkular berufen. In dieser Versammlung werden alle geschäftlichen Angelegenheiten erledigt, besonders der Wirtschaftsplan für das nächste Jahr entworfen. In der Generalversammlung haben die Mitglieder, welche mit über 50 ha dem Verbande angehören, 4 Stimmen, über 30 ha 3 Stimmen, über 15 ha 2 Stimmen und mit 15 ha und darunter 1 Stimme.

§ 4. Jedes Mitglied hat das Areal, mit welchem es dem Verbande angehören will, genau zu bezeichnen und anzugeben. Es zahlt für jeden Hektar 1 M an die Verbandskasse und hat nach Verhältnis seines Beitrages auch Anspruch auf Unterstützung des Verbandes. Die Beiträge werden pränumerando bezahlt rund müssen im laufenden Jahre verwandt werden. Bis zur Verwendung werden dieselben bei der Sparkasse belegt. Jedes Mitglied verpflichtet sich, vor Ablauf von 9 Jahren nicht aus dem Verbande zu treten. Diese Verpflichtung wird bei Vererbung und beim Verkauf übertragen. In außergewöhnlichen Fällen kann die Generalversammlung früher diese Verpflichtung aufheben. Ebenso entscheidet die Generalversammlung über die Aufnahme neuer Mitglieder aus den bezeichneten Dörfern.

§ 5. Der Verband wird in 3 (später 2) Culturdistrikte geteilt und jährlich nur in einem Distrikte die zu Culturen disponiblen Summen verwandt. Die Culturdistrikte werden nach Fläche möglichst gleichmäßig festgestellt. Die Reihenfolge der Distrikte wird zuerst durch das Los entschieden.

§ 6. Für die Leitung und Beaufsichtigung der technischen Arbeiten wird alljährlich von der Generalversammlung auf Vorschlag des Vorstandes ein Forsttechniker gewählt; dieser wird nach einer näheren Vereinbarung aus der Kasse des Verbandes honoriert. Derselbe hat mit dem Vorstande die Kulturpläne vorzubereiten und später auszuführen, muß auch den Mitgliedern bei Durchforstungen und bei Feststellung der Betriebspläne zur Disposition stehen.

§ 7. Jedes Mitglied des Verbandes muß Mitglied des Haide-Culturvereins für Schleswig-Holstein sein, um die Vorteile genießen zu können, welche dieser Verein seinen Mitgliedern bietet.

§ 8. Der Verband constituiert sich, sobald 500 ha gezeichnet sind. Jedes Mitglied hat die Statuten zu unterschreiben.

In den Waldverband sind bereits eingetreten:

Aus Bargfeld
H. D. Ratjen mit 30 ha
Chr. Hingst mit 30 ha
J. Harder mit 20 ha
Aus Böken
M. Lahann mit 8 ha
J. Kaack mit 20 ha
J. Lepsin (Lobsien) mit 2 ha
Aus Innien
H. Rohwer (Rohweder) mit 10 ha
T. Boie mit 10 ha
H. Jargstorff mit 5ha
Chr. Pries mit 8 ha
Aus Bünzen
J. Harms mit 30ha
E. Rohwer mit 10 ha
H. Carstens mit 10 ha
H. Timm mit 10 ha
C. Kracht mit 2 ha
Aus Homfeld mit Bucken
J. Rathgen mit 70 ha
H. Rathgen mit 40 ha
C. Rathgen mit 60 ha
C. Heeschen mit 15 ha
E. Rieckers mit 25 ha
J. Hölk mit 25 ha
H. Göttsche mit 5 ha
Aus Sarlhusen
Gutsbesitzer Hansing mit 50 ha
Aus Wiedenborstel
Hofbesitzer Taube mit 80 ha
Aus Meezen
R. Reimers mit 12 ha

(In der Überschrift scheint Böken ausgelassen zu sein, da das Mitgliederverzeichnis gleich 3 Mitglieder nennt.)

Die Mitglieder waren verpflichtet, dem Heidekulturverein anzugehören. Bei der Gründung dieses Vereins (5) in Rendsburg am 20.12.1871 werden aus dem Aukrug als Mitglieder genannt: Hans Detlef Ratjen, Christian Hingst, Jochim Harder, Claus Beckmann und Timm Mehrens aus Bargfeld, Timm Boie und Chr. Pries aus Innien, Eggert Rohwer, Johann Harms und Chr. Kracht aus Bünzen und Jochim Kaack aus Böken. Im nächsten Jahre traten weitere 13 Bauern aus dem Aukrug dem Heidekulturverein bei. Das ist ein Zeichen, wie Christiansens Anregung gewirkt hatte.

Anlage einer Baumschule

Um die nötigen Forstpflanzen zu haben, legte der „Waldverband 1878 eine Baumschule an. Jakob Ratjen aus Homfeld stellte das Land zur Verfügung. Die Baumschule lag an der Itzehoer Chaussee hinter Behms Wald. Ein 1880 gesetzter Stein mit der Inschrift: „Den Wald zu pflegen, bringt allen Segen" erinnert an die Stelle. Claus Ratjen und nach ihm Jakob Ratjen, beide aus Homfeld, waren die Leiter der Baumschule. 1879 konnte sie schon 184 000 Fichten und 114 000 Kiefern abgeben. Die Baumschule reichte aber bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Forstpflanzen zu decken. Aus den Baumschulen der Forsten und den Halstenbeker Baumschulen mußten jährlich viele Tausende besorgt werden. Als um 1900 die Arbeitskräfte für die Baumschule knapp wurden und Handelsware reichlich und preiswert angeboten wurde, ließ der Waldverband die Baumschule eingehen.

Weitere Entwicklung

Weitere Waldverbände waren 1876 in Wacken (63 Besitzer mit 529 ha) und für Silzen, Poyenberg und Lockstedt im Entstehen. Von Wacken sind einige Jahresberichte im Heidekulturvereinsblatt erschienen, von Silzen keine. Der erste schleswig-holsteinische Waldverband hat dort bis 1914 seine Jahresberichte veröffentlicht.

1876 hatte der Waldverband 37 Mitglieder. Der zweite Jahresbericht konnte schon die ersten Erfolge melden: 231 000 Kiefern, 61 000 Fichten, 180 000 Buchen, 16 000 Birken, 5000 Eichen, 3000 Eschen und 2000 Erlen waren angepflanzt. 12 ha Heide und große Waldblößen waren bepflanzt.

Der Jahresbericht von 1878 gibt die Fläche der Verbandsmitglieder mit 647 ha an. Davon waren 180 ha Hochwald (Eichen und Buchen), 220 ha Mittelwald (Erlen, Birken, Hainbuchen, Eschen mit Eichen als Oberständern), 45 ha Nadelwald, 12 ha Eichenschälwald, 25 ha gedüngte Düne und 181 ha Heide.

Den Erfolg der ersten zehn Jahre gibt der Jahresbericht von 1885. Es waren bis dahin angepflanzt 1 376 500 Kiefern, 183 500 zweijährige Fichten, 696 000 verschulte Fichten, 3500 Lärchen, 1000 Edeltannen, 109 000 Buchen, 20 000 verschulte Eichen, 100 000 Erlen, 96 000 Eichen, 55 000 Birken, 9 ha Heide und 31 ha schlechtes Ackerland waren bepflanzt und dazu 140 ha Waldblößen.

Aufgeforstet waren in Bargfeld 17 ha Heide, 9 ha Acker von 3 Bauern, in Bünzen 19 ha Heide und 9 ha Acker von 6 Bauern, in Homfeld 23 ha Heide und 9 ha Acker von 6 Bauern, in Bucken 3 ha Heide von 2 Bauern, in Böken 10 ha Heide und 8 ha Acker von 3 Bauern, in Wiederborstel 8 ha Heide von 2 Bauern, Gut Sarlhusen 10 ha Heide und 5 ha Acker.

In den nächsten Jahrzehnten ging die Arbeit in gleicher Weise weiter. Das Heidekulturvereinsblatt 1906 S. 106, gibt eine Übersicht über das vom Waldverband erreichte Ziel:

Waldbestand 1874 1906
Bargfeld 40 ha 85 ha
Homfeld 300 ha 450 ha
Innien 150 ha 200 ha
Böken 120 ha
Bünzen 85 ha
490 ha 930 ha

In den 30 Jahren hatte sich das Waldgebiet des Aukrugs also fast verdoppelt.

Zur Leitung der Forstarbeiten bestellte der Verband Christiansen als Vereinsförster. Er schied aber am 1. Januar 1877 aus. Ihm folgte der kgl. Förster Pagelsen aus Mörel und diesem der klösterliche Förster Danielsen aus Itzehoe. Als dieser wegen der weiten Entfernung den Posten aufgab, ernannte der Waldverband keinen Nachfolger. Aber die Provialforstmeister Emeis, Vater und Sohn, kamen alljährlich zu Waldbegehungen und -beratungen zu uns. Wenn meine Schulzeit es erlaubte, habe ich gerne daran teilgenommen. Ich erinnere noch gut, wie Carl Emeis einmal den Platz, wo jetzt das Krankenhaus Tönsheide steht, als die schönste holsteinische Heide bezeichnete.

Der erste Vorsitzende des Waldverbandes war Otto Taube in Wiedenborstel, der auch mit seiner klaren Handschrift das Protokoll recht ausführlich führte. Er starb am 10.3.1888. Ihm folgte als Vorsitzender Johannes Hölk auf Bucken. 1916 legte Hölk den Vorsitz nieder. Der erste schleswig-holsteinische Waldverband hatte damit sein Ende erreicht.

Wie führend der Waldverband ein diesen Jahren im Kreise Rendsburg war, mögen einige Angaben aus dem Heidekulturvereinsblatt zeigen. Neu aufgeforstet wurden:

Jahr im Kreis Rendsburg davon im Aukrug
1895 43,75 ha 32,75 ha
1901 60,82 ha 24,00 ha
1905 77,75 ha 45,75 ha
1906 122,94 ha 58,00 ha

1905 kam der Dampfpflug in den Aukrug. Es wurden im Böker Tell der Iloheide 50 ha auf 75 cm tief umgebrochen und 1906 schon 36 ha davon mit Rottannen im Gemisch mit Kiefern gepflanzt. Ebenso ging es in den anderen Dörfern des Aukrugs.

Schon vorher hatte der Waldverband die Tiefkultur versucht. 1880 schaffte er einen Rigolpflug, der von 8 Pferden gezogen wurde und die Heide 52 cm tief umpflügte, an. Hölk auf Bucken hat ihn viel benutzt.

Als die Erfolge der Emeisschen Rabattenkultur im Ilohforst bekannt wurden, folgten Claus und Jakob Ratjen in Homfeld dem Vorbild. An der Homfelder Chaussee im Diekwischenholt sieht man noch die tiefen Gräben, die gezogen wurden, um den „Voßborrn" zu brechen und Luft in den Untergrund dringen zu lassen, um ihn aufzulösen.

Die erste Nutzung der jungen Fichtenkulturen erfolgte nach 7 bis 8 Jahren durch den Verkauf von Weihnachtsbäumen. 1896 gingen vom Bahnhof Innien 25, 1913 aber schon 75 Waggons Weihnachtsbäume ab, hauptsächlich nach Berlin. 1900 wurde zum erstenmal Tannenbusch zum Frostschutz an Gärtnereien verladen. Der Jahresbericht von 1902 berichtet von einem ersten Versuch, die Nadelholzpflanzungen mit Thomasmehl, Kainit und Chilesalpeter zu düngen.

Es dürfte auch interessieren, wann zuerst ausländische Nadelhölzer in unseren Waldungen angepflanzt wurden: 1893 Weymouthskiefer, und Douglasfichte, 1903 japanische und sibirische Lärchen und Sitkafichten.

Was die Großväter und Vater in den Jahren geschaffen, kommt nun den Enkeln zugute. Sie danken ihren Vorfahren durch sorgfältige Erhaltung und Pflege des ererbten Waldes. Sie lassen sich gerne von den Nachfolgern des ersten schleswig-holsteinischen Waldverbandes, den Waldbauvereinen, beraten und hoffen, daß über die Arbeit der Waldbauvereine einmal ebenso erfolgreich berichtet werden kann. Sie halten es noch heute mit Otto Taubes Wort: „Fichtenkultur ist keine Entenfütterung mit Kaviar".

Von besonderer Bedeutung für die Aukruger Forstwirtschaft wurde die Anlage des Forst Iloo zwischen Aukrug-Böken und Timmaspe.

Siehe auch